Ankauf des Nachlasses Rosenfeld
  Eva Rosenfeld  
  Das Sigmund Freud-Museum konnte den Nachlass von Eva und Valentin Rosenfeld erwerben, der aus einer bedeutenden Sammlung von Büchern, Dokumenten und Bildern besteht. Seinen Stellenwert für die Wissenschafts- und Kulturgeschichte erhält dieser Nachlass deshalb, weil Eva Rosenfeld zum einen eine zentrale Figur der Wiener Psychoanalyse darstellte und zum anderen sehr weitreichende familiäre und freundschaftliche Kontakte in die literarische und künstlerische Welt pflegte.

Die aus einem Brünner-Berliner Elternhaus stammende Eva Rosenfeld (1892-1977) war eine enge Vertraute Anna Freuds, mit der sie, zusammen mit Dorothy Burlingham, 1927 in der Wattmanngasse 11 in Wien eine Schule gründete. Diese privat geführte Schule - die so genannte „Hietzinger Schule“ - war eine der ersten Wiener Einrichtungen, in denen Kinder Projektunterricht genossen und von analytisch geschulten Lehrern betreut wurden. Aus dieser Zeit stammt auch der im Nachlass befindliche Briefwechsel von Eva Rosenfeld mit Anna Freud, der nicht nur die private Beziehung der beiden erschließt, sondern auch wichtige Beiträge zur Geschichte der psychoanalytischen Pädagogik enthält. Ein Fotoalbum, das Eva Rosenfeld angelegt hat, zeigt Aufnahmen der Schule aus dem Jahre 1928, darunter das Esszimmer in der Wattmanngasse nach einem Entwurf von Adolf Loos.

Unter den 289 Stücken der Sammlung (Korrespondenzkonvolute wurden als ein Stück gezählt) ist vor allem jener Bestand an Autographen hervorzuheben, der Sigmund Freud betrifft. Es finden sich sowohl Briefe von ihm an Eva Rosenfeld, deren Mutter Rose als auch an Yvette Guilbert, der Tante Eva Rosenfelds. Als Freud 1885 bei Jean-Martin Charcot arbeitete, traf er in den Pariser Musiklokalen auf die junge Sängerin Yvette Guilbert, Star der Pariser Varietés. Enthalten ist in dem Nachlass ein Konvolut von Korrespondenz Freuds mit ihr sowie seltene Originalabzüge von Fotoaufnahmen.

Weiters umfasst der Nachlass zahlreiche Dokumente, die die Beziehung der Familie Rosenfeld zur Film- und Theaterwelt belegen. Er enthält u. a. eine Fotodokumentation von Lilli Palmers (der Schwester von Rosenfelds Schwiegertochter Hilde Palmer) ersten Filmarbeiten und Korrespondenz mit Noël Coward, Alec Guinness, Laurence Olivier, Gerhart Hauptmann und Schriftstücke und Widmungsexemplare von Marlene Dietrich. Mit dem Theater waren bereits die Elterngeneration der Rosenfelds eng verflochten. Theodor und Carl Rosenfeld gehörten zu den Mitbegründern der „Freien Bühne“ in Berlin, was sich in zahlreichen Widmungsexemplaren von Literaten und Schauspielern in der Bibliothek der Rosenfelds niederschlug. Eva Rosenfeld emigrierte nach London, wo sie neuerlich in Kontakt mit Oskar Kokoschka kam, den sie bereits während des Ersten Weltkriegs in Wien kennen gelernt hatte. Er ist mit Korrespondenz und einer sehr seltenen, eigenhändig gewidmeten Lithographie vertreten.

Der Ehemann und Cousin Eva Rosenfelds, Valentin Rosenfeld, war ein angesehener Wiener Jurist, dessen umfangreiche Bibliothek 1938 in Wien beschlagnahmt wurde. Er war leitender Funktionär des Sportvereins „Hakoah“ und verfasste deren Vereinsnachrichten in Wien und im Londoner Exil. Valentin Rosenfeld war passionierter Autographensammler, spezialisiert auf Goethe und Richard Wagner. Der Nachlass enthält mehrere Stücke aus seiner Bibliothek. Der Bestand ist komplett erschlossen und via padd abrufbar.