How free is Art? Leonardo, Evening V

Psychoanalytic large group dialogue. Leonardo. Circle for Psychoanalytic Cultural Criticism (in German)

With Beate Hofstadler, Tobias Urban, Rainer Danziger, Florian Fossel, Rainer Gross, Sama Maani and Johanna-Maria Schmuck

 

Thursday, December 15, 2022 at 19 h

Library of Psychoanalysis in the Sigmund Freud Museum

 

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Please note that for the event to run smoothly, all guests must arrive on time - admission after 19 h is not possible due to the large group setting.

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Und ich würde sagen, daß das Kunstwerk eben dadurch, daß es jene zugleich kritische und utopische Intention hat, schlechterdings ein Verletzendes ist, und daß es dort, wo es nicht mehr verletzt, sondern wo es ganz und gar in die Oberfläche der geschlossenen Erfahrung sich einfügt, eigentlich aufgehört hat, überhaupt ein lebendiges Kunstwerk zu sein.

Theodor W. Adorno, Ästhetik (1958/59)

 

Welche Auffassung von Kunst mag jenen seit Jahren um sich greifenden Debatten zugrunde liegen, in denen die Entfernung von Kunstwerken aus dem öffentlichen Raum – häufig auch deren Zerstörung – gefordert werden, weil sie die Gefühle von Angehörigen ethnischer, religiöser oder sexueller Kollektive verletzen sollen? Sollten wir diese Tendenzen als Ausdruck der Emanzipation marginalisierter und unterdrückter Gruppen lesen – und begrüßen? Oder verweisen sie auf ein magisches Denken, in welchem die Differenz zwischen der empirischen Realität und der symbolischen Sphäre der Kunst aufgehoben scheint – als würde von jenen Werken eine reale Gefahr ausgehen, zu bannen einzig durch deren Zerstörung oder Entfernung aus dem öffentlichen Raum? Und läuft eine Kunst, die sich seit den 1990er Jahren zunehmend dem Primat der Theorie („Artistic Research“) und des „Politischen“ unterwirft, nicht Gefahr, das Element des Überraschenden, somit das Unbewusste, aus dem Prozess der Kunstproduktion zu eliminieren – eine Tendenz, die im klaren Gegensatz zu Robert Musils Diktum stünde, wonach „zur Dichtung wesentlich das gehört, was man nicht weiß“?

Der Ablauf des Abends sieht eine kurze Vorstellung von „Leonardo. Zirkel für psychoanalytische Kulturkritik“, zwei Impulsreferate von Beate Hofstadler und Tobias Urban sowie 60 Minuten freie Assoziation der Teilnehmer:innen vor. Anschließend erfolgt eine Zusammenfassung der Leitmotive des Großgruppendialogs.

 

DDr. Beate Hofstadler, Studium der Psychologie, Theater- Film- und Medienwissenschaften. Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin, Psychoanalytikerin in freier Praxis in Wien (Wiener Arbeitskreis für Psychoanalyse/IPA; Neue Wiener Gruppe) und Universitätslektorin. Arbeitsschwerpunkte: Psychoanalyse, Geschlechterforschung, Film, Forschungsmethodik. https://www.beatehofstadler.com/

Tobias Urban, geboren 1968 in Deutschland, 1987 bis 1989 Studium der Physik an der Technischen Universität Wien, 1989 bis 1993 Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Seit 1994 Teil der Künstlergruppe Gelatin, die 1998 gegründet wurde. Seit 2015 Professor für Bildhauerei an der Kunstuniversität Linz. Lebt und arbeitet in Wien.

 

Univ.-Prof. Dr. Rainer Danzinger, Psychoanalytiker, Gruppenpsychoanalytiker, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, Univ.-Prof. für Psychiatrie an der Medizinischen Universität Graz und Maler.

Florian Fossel, Psychoanalytiker und Gruppenanalytiker in freier Praxis. Ehemaliger Leiter der Fachsektion Gruppenpsychoanalyse im ÖAGG. Veranstalter des Mittwoch-Salons im Café Korb.

Rainer Gross, Dr. med., Psychiater und Psychoanalytiker. Nach 35 Jahren Tätigkeit in der Akutpsychiatrie jetzt nur mehr in privater Praxis in Wien.

Sama Maani, Schriftsteller und Psychoanalytiker. Publikationen (u.a.): Warum wir Linke über den Islam nicht reden können (Essayband, 2019), Žižek in Teheran (Roman, 2021).

Johanna-Maria Schmuck, BA, BA, BSc., Studierende im Fachspezifikum Psychoanalyse und im Masterstudiengang Ethik für Schule und Beruf.

 

Leonardo. Zirkel für psychoanalytische Kulturkritik

Leonardo, ein Diskussionsforum in Form einer Großgruppe, hat sich die Aufgabe gestellt, den Dialog zwischen Psychoanalytiker:innen, Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und weiteren aufgeschlossen, interessierten Personen zu gesellschaftsrelevanten, kulturkritischen sowie sozialpolitischen Fragen zu fördern.

Die Veranstaltungsreihe findet vierteljährlich im Wiener Sigmund Freud Museum statt. Nach kurzen Eröffnungsstatements geladener Gäste wird das Publikum eingeladen, sich frei assoziativ in der Gruppe zum jeweiligen Thema auszutauschen. Abschließend begeben wir uns in eine moderierte Diskussion, um gemeinsam den assoziativen Prozess zu reflektieren und vertiefend in das Thema des Abends einzutauchen.

Leonardo ist eine Initiative von Rainer Danziger, Florian Fossel, Rainer Gross, Sama Maani und Johanna-Maria Schmuck in Kooperation mit dem Sigmund Freud Museum.

More on Leonardo - in German (PDF)

 

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