Zeichnung einer Person, deren Gehirn gescannt wird, im Hintergrund untersucht eine Frau das Ergebnis.

Über Widerstand

Widerstand ist ein Begriff, in dem die klinische Dimension der Psychoanalyse mit der politischen zusammentrifft. In der Ökonomie der Psyche wirkt Widerstand auf der Seite der Verdrängung, der repressiven Kultur. Die Überwindung des Widerstandes im klinischen Prozess zielt darauf ab, das Subjekt von unnötigem Leiden und kulturellem Druck zu befreien sowie Wissen über das Unbewusste zu gewinnen.

Einer der Ursprünge der Idee des Widerstandes in der Psychoanalyse war die Freud’sche Drucktechnik. Diese Technik bestand darin, eine Handfläche auf die Stirn von Patient:innen zu legen, die Hand dann zu entfernen und die Patient:innen zu bitten, alles zu sagen, was ihnen in den Sinn kam. Freud erzeugte Druck, um ihn später wieder zu lösen. Dieser Vorgang könnte bedeuten, einen Widerstand nachzuahmen und dann wieder aufzulösen. Freud erzeugte einen äußeren Widerstandsdruck, um die Patient:innen von innerem Widerstand zu befreien und damit ein freies Sehen und Sprechen zu ermöglichen. Externer und interner Widerstand, als ob sie einander spiegeln würden.

Unter den Umständen des Zusammenbruchs der symbolischen Matrix, in dem wir uns heute befinden, ist es wichtig, nicht nur den klinischen Widerstand – einschließlich, wie Lacan betont, des Widerstands gegen die Analyse seitens der Analytiker:innen – zu überwinden, sondern auch dem System zu widerstehen, das darauf abzielt, das denkende und begehrende Subjekt zusammen mit Wissen und Bildung zu vernichten. Unter diesen Umständen lautet das wichtigste Motto, wie es von François Tosquelles formuliert wurde: zu widerstehen und zu gestalten. Widerstand zu leisten gegen das paranoide System, das das menschliche Subjekt zerstört, und Bedeutung im Leben auf diesem Planeten zu schaffen.

Dr. Viktor Mazin, Ph.D., ist praktizierender Psychoanalytiker. Der Gründer des Freud's Dream Museum in St. Petersburg (1999) ist Ehrenmitglied des Museum of Jurassic Technology (Los Angeles) sowie Leiter der Abteilung für theoretische Psychoanalyse am Osteuropäischen Institut für Psychoanalyse (St. Petersburg), außerordentlicher Professor an der Fakultät für freie Künste und Wissenschaften der Staatlichen Universität St. Petersburg und Ehrenprofessor des Instituts für Tiefenpsychologie (Kiew). Außerdem ist er als Übersetzer aus dem Englischen und Französischen ins Russische tätig und war Chefredakteur der Zeitschrift Kabinet und Mitglied der Redaktionsausschüsse folgender Fachzeitschriften: Psychoanalysis (Kiew), European Journal of Psychoanalysis (Rom), Transmission (Sheffield), Journal for Lacanian Studies (London). Er hat zahlreiche Artikel und Bücher über Psychoanalyse, Dekonstruktion, Kino und bildende Kunst verfasst.

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