XLV. Sigmund Freud Vorlesung: Philipp Blom

Let Me Tell You a Story. Narrative Identitäten in Zeiten des Aufruhrs

 

Sonntag, 6. Mai 2018, 11 Uhr, Billrothhaus, Frankgasse 8, 1090 Wien

Eintritt frei, um Anmeldung untenstehend wird gebeten, freie Platzwahl

Eine Veranstaltung der Sigmund Freud Privatstiftung in Kooperation mit der Gesellschaft der Ärzte in Wien anlässlich des Geburtstages von Sigmund Freud am 6. Mai

Partner der Sigmund Freud Vorlesung 2018: UNIQA Österreich Versicherungen AG

Begrüßung: Monika Pessler
Einleitung: Carlo Strenger
 
 
Let Me Tell You a Story
Narrative Identitäten in Zeiten des Aufruhrs

Geschichten prägen unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere innersten Regungen. Durch sie werden wir Teil einer bestimmten Familie, einer Kultur, einer sozialen Klasse, einer Generation – durch sie erst werden wir zu dem, was uns ausmacht. Tatsächlich scheinen menschliche Wesen ein starkes Verlangen nach zukunftsgerichtetem Sinn, nach einer Handlung mit Anfang, Mitte und Ende, zu haben. Wir alle sind ständig versucht, all jenen Dingen, die rund um uns und mit uns passieren, eine Bedeutung zu geben. Wir brauchen Geschichten, um der Zufälligkeit von Erfahrung Sinn zu verleihen.

Wie aber ist unsere Beziehung zu diesen uns formenden Geschichten und zu unserem Verlangen nach ihnen? In meiner Sigmund Freud Vorlesung möchte ich die Bedeutungen des Geschichten-Erzählens angesichts der gegenwärtigen Krise der Sprache und der sachlichen Berichterstattung aus der Perspektive des Historikers und professionellen Geschichtenerzählers erkunden, zu dessen Aufgaben es zählt, aus Fakten Bedeutung zu gewinnen. In Begleitung von Denis Diderot und Sigmund Freud werde ich untersuchen, wie ein Leben mit unserem Verlangen nach dem Kontrafaktischen, der guten Mär, der fesselnden Geschichte und der ständigen Versuchung, unseren Unglauben außer Kraft zu setzen, möglich ist. Schließlich ist die Macht von Geschichten höchst ambivalent.

(Philipp Blom, 2018)
 
 
Philipp Blom, 1970 in Hamburg geboren, studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien. Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Stipendium am Getty Research Institute in Los Angeles und NDR Kultur Sachbuchpreis. Zuletzt veröffentlichte er u.a. Der taumelnde Kontinent. Europa 1900-1914 (2009), Böse Philosophen (2011), Die zerrissenen Jahre. 1918-1938 (2014), Die Welt aus den Angeln. Eine Geschichte der Kleinen Eiszeit von 1570 bis 1700 sowie der modernen Welt, verbunden mit einigen Überlegungen zum Klima der Gegenwart (2017) und den Roman Bei Sturm am Meer (2016).

Carlo Strenger ist Professor für Psychologie und Philosophie an der Tel Aviv University und führt eine Praxis für Existentielle Psychoanalyse. Er ist Mitglied im Beirat der Sigmund Freud Privatstiftung, des Institute of Contemporary Psychoanalysis in Los Angeles sowie des Terrorism Panel im Rahmen der World Federation of Scientists. Als Publizist ist er u.a. für die Neue Zürcher Zeitung und Haaretz tätig. Zu seinen letzten Publikationen zählen Zivilisierte Verachtung. Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit (2015), Freud’s Legacy in the Global Era (2016) und Abenteuer Freiheit. Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Kultur (2017).

 
Foto: Philipp Blom, Copyright: Heike Bogenberger
 
 
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