Objekt des Monats: September

Ilya Kabakov, Der Mensch der ins Bild flog, 1987-1989

 
 
Ilya Kabakovs Installation „Der Mensch, der ins Bild flog“ besteht aus mehreren Elementen. Drei vom Künstler handgeschriebene Hefte mit Gedankenexzerpten liegen, frei zugänglich, auf einem Tisch. Ein Holzgestell trennt den Betrachter vom Bild an der Wand, auf dem ein winziges menschliches Figürchen den zentralen Punkt des Kunstwerks bildet. Auf zwei Holzsesseln kann der Betrachter Platz nehmen und das Bild auf sich wirken lassen oder in den Kurzgeschichten blättern. Die Installation entstand in Freuds ehemaliger Privatwohnung aus Gegenständen, die Vormieter aus der Zeit nach Freuds Emigration zurückgelassen hatten. Sie ist Teil von Kabakovs Serie „Wie ich zu meiner eigenen Figur wurde“ – in ihr und in diesem Werk thematisiert er seine Identität und seine Erinnerungen als Künstler in der Sowjetunion, Kommunikation und Trennung gehen miteinander einher. Das Herzstück, die kleine aufgeklebte Menschenfigur, steht sowohl für den Künstler als auch für den Betrachter. Der Künstler wechselt in dem Werk zwischen seinem realen Ich und seinem Alter Ego, dem „Helden“ der die realen Grenzen überschreitet. Über die personengebundenen Aussagen hinauf jedoch transportiert das Werk allgemeingültige Botschaften zu sozialen Problemstellungen, in Anlehnung an Freuds traumhafte Wunscherfüllung etwa den Wunsch des Künstlers, sich von eigenen und fremdgesteuerten Zwängen zu befreien.

Ilya Iossifowitsch Kabakov wurde 1933 in Dnjepropetrowsk in der Ukraine geboren. 1945 bis 1951 besuchte er die Kunstschule in Moskau, studierte anschließend an der V. A. Surikov Kunstakademie in Moskau und galt während seines Schaffens in der damaligen UdSSR als bedeutender Vertreter des Moskauer Konzeptualismus. 1987 erhielt Kabakov ein Kunststipendium in Österreich und 1889 eines in Berlin, wo er erstmals mit seiner späteren Frau Emilia, die bereits 1975 nach Amerika emigriert war, zusammenarbeitete und danach nicht mehr in sein Heimatland zurückkehrte sondern seinen Lebensmittelpunkt nach New York verlagerte. Bis heute ist das Künstlerpaar aktiv und stellt in namhaften Kunstgalerien aus.

Das Kunstwerk „Der Mensch, der ins Bild flog“ kam im Rahmen einer von Franz West initiierten Sammlung zeitgenössischer Kunst in die Sammlung der Sigmund Freud Privatstiftung und ist aktuell im Schauraum im Hochparterre zu ausgewählten Terminen zu sehen.

 
Foto: Ilya Kabakov, Der Mensch der ins Bild flog, 1987-1989 (c) Margherita Spiluttini
 

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