Objekt des Monats: Oktober

Kopfgefäß

 
 
Freud kaufte seine Antiken gewöhnlich nicht auf Reisen sondern zum Großteil in Wien und Berlin bei ihm bekannten Antiquitätenhändlern, erhält auch viele Stücke geschenkt. Was die Echtheit dieser immensen Sammlung anbelangt, wird angenommen, dass sich trotz der kompetenten Zwischenhändler und Schätzungen durch Archäologen und Museen einige Fälschungen in diesem Bestand befinden, die damals wohl gar nicht als solche erkannt wurden. Besonders bei chinesischen Stücken sind viele Fachleute skeptisch, was deren Authentizität anbelangt. Eine nachweisliche Fälschung eines angeblich griechischen Stückes befindet sich in Freuds Sammlung in Wien: ein Kopfgefäß unbekannten Ursprungs, dessen Gesichtsform nicht den antiken Vorbildern entspricht, sondern die weichen, gemilderten Züge antiker Darstellungen des 19. Jahrhunderts aufweist. Es kann daher angenommen werden, dass es sich dabei um eine jener Fälschungen handelt, die im 19. Jahrhundert die Nachfrage nach klassischen Antiquitäten rascher und einfacher befriedigen sollten.

Griechische Kopfgefäße zählen zu den Figurengefäßen und wurden ab dem 7. Jahrhundert hergestellt. Von der Wissenschaft werden Kopfgefäße nach ihrer Art in mehr als zwanzig verschiedene Kategorien unterteilt. Oft zeigten sie Vertreter anderer Völker, auch doppelköpfige Varianten nach der Art von Doppelhermen existieren, und zumeist wurden die Gefäße kunstvoll bemalt.

Das etwa 8,5 cm hohe, bunt bemalte in der Sammlung des Sigmund Freud Museums Wien wurde von Freud in seinen Antikenkatalog aufgenommen. Es ist unklar, ob er sich dieser Fälschung bewusst war, oder nicht. Zu dem Gefäß, das zur Zeit nicht ausgestellt ist, liegen bisher keine wissenschaftlichen Untersuchungen vor.
 
 
Fotos: Kopfgefäß (c) Sigmund Freud Privatstiftung
 

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