Objekt des Monats: November

Georg Herold: Amor und Psyche

 
 
Diese Arbeit des Künstlers Georg Herold von 1989 verweist zum einen auf die antike Sage von Amor und Psyche, zum anderen auf Sigmund Freuds psychoanalytische Theorien, die häufig um das Begehren der Geschlechter kreisen. Die sexuelle Symbolik, der an sich asexuellen Objekt der Installation schlägt auch eine Brücke zu Freuds Werk „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“, in dem die Anstößigkeit sexueller Symbolik in Wort und Bild sowie die Entlastungsfunktion des Witzes analysiert wird.

Die Objektinstallationen von Georg Herold bestehen häufig aus Alltagsgegenständen und Naturmaterialien. In „Amor und Psyche“ verwendet er Holz, Draht und Nylon – einen Besen und eine an einem hölzernen Kleiderhaken hängende Damenstrumpfhose. In Anlehnung an DDR-Zeiten, als Damenstrümpfe noch ein begehrtes Luxusgut waren, fügt der Künstler diese in Verbindung mit den schwarzen Borsten eines Besenkopfes zu einem Symbol begehrenswerter Weiblichkeit zusammen. Ein hölzerner Besenstiel fungiert als weit weniger auffälliges männliches Gegenstück; von Draht gehalten, neigt es sich dem weiblichen Zentrum zu und unterstreicht so noch einmal die ohnehin schon offensichtlich gewordene sexuelle Konnotation des Arrangements. Das Statement des Künstlers dazu, „Sexuelle Fantasien in ihre Schränke verweisen!“ (Georg Herold, 2006).

Georg Herold, geboren 1947 in Jena, studierte zunächst in der DDR, bevor er 1973 in die BRD auswanderte, um dort sein Studium an renommierten Institutionen wie der Akademie der Bildenden Künste in München fortzusetzen. Zu Beginn der 1980er Jahre stellte er gemeinsam mit einigen Künstlerkollegen den Boom des Kunstmarktes in Frage, schloss diese Phase der Rebellion allerdings bald ab und widmete sich der Erstellung nachdenklicher und vielschichtiger Werke, häufig mit einer ironischen, kritischen Komponente. Der Künstler lebt und arbeitet derzeit in Köln.

„Amor und Psyche“ ist Bestandteil der Contemporary Art Collection des Sigmund Freud Museums und war zuletzt in der Ausstellung „Verborgene Gedanken visueller Natur“ (2017-2018) in Sigmund Freuds „erster Ordination“ im Hochparterre der Berggasse 19 zu sehen.
 
 
Foto: Georg Herold, Amor und Psyche, 1989 (c) Margherita Spiluttini
 

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