Objekt des Monats: August

Bilddokumentation „Berggasse 19“ von Edmund Engelman

 
In der aktuellen Dauerausstellung schaffen Fotos von Freuds Räumlichkeiten eine Verbindung vom Heute zum Damals und vermitteln eindrücklich das häusliche Umfeld, in dem der Begründer der Psychoanalyse lebte und arbeitete. Die Bilder sind allerdings nur eine späte Momentaufnahme. Aus den langen Jahren, die die Freuds in der Berggasse lebten – die Familie war 1891 eingezogen, seit 1908 befanden sich auch die Praxisräume im ersten Stock – existieren wenige Fotografien aus Freuds Wohnung oder Praxis. Erst 1938, knapp vor der Emigration der Familie nach London, entstanden die Aufnahmen, die heute als Bildtafeln zu sehen sind.
 
Edmund Engelmann wurde 1907 in Wien geboren und genoss als Sohn eines mittelständischen Geschäftsmannes, der bereits als Kind wie viele andere jüdische Familien aus Osteuropa nach Wien gekommen war, eine solide Schulbildung. Mit zehn Jahren bastelte sich Engelman seine erste Kamera, und von dieser Zeit an wuchs das Interesse an der Fotografie ständig. Auch während seines Studiums des Maschinenbaus und der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Wien beschäftigte er sich mit Chemie, Kinematographie und ähnlichen Fächern. Die beabsichtigte Position als „Photo-Ingenieur“ war nach seinem Abschluss, der in die Depression 1932 fiel, nicht zu erhalten, sodass der junge Engelman zunächst sein eigenes Fotogeschäft eröffnete – mit dem Nebeneffekt, dass die „Photo City“ bald als Vermittlungsort fotografischer Neuerungen bekannt wurde. Über einen Freund lernte er August Aichhorn und Sigmund Freud kennen. Mit Aichhorn verband ihn bald eine enge Freundschaft, 1938 bat ihn der Sozialpädagoge, fotografische Zeugnisse von Freuds Wohnung und Arbeitsplatz anzufertigen, als dessen Emigration unvermeidbar wurde. Sein Gedanke ging bereits in Richtung eines zukünftigen Museums „wenn der Sturm der Jahre vorüber ist“. Da die Wohnung der Freuds von der Gestapo überwacht wurde, und jeder als verdächtig eingestufte Vorgang eine Verhaftung nach sich ziehen konnte, mussten diese Fotoaufnahmen so unauffällig wie möglich geschehen – also ohne Blitzlicht oder Scheinwerfer. Engelman nahm auch tatsächlich ohne Zögern die Gefahr auf sich, besuchte mit unauffälliger Fotoausstattung die Familie Freud und dokumentierte über drei Tage hinweg alles: von der Fassade des Gebäudes über das Stiegenhaus bis zu den eigentlichen Räumen. Einzig die privaten Rückzugsräume der Familie, also Schlaf- und Badezimmer sowie Salon, wurden nicht fotografiert. Zunächst war geplant, dass er den 82-jährigen Sigmund Freud keinesfalls treffen und durch seine Anwesenheit womöglich in Aufregung versetzen sollte. Am dritten Tag erschien Freud unerwartet im Arbeitszimmer und wurde erst jetzt von seinem Freund Aichhorn über die Vorgänge aufgeklärt. In Folge entstanden auch Portraitaufnahmen und Passfotos der Familie.
 
Edmund Engelman musste selbst in die USA fliehen und ließ die Negative seiner Bilder bei August Aichhorn in Verwahrung. Nach dessen Tod kamen sie in den Besitz von Anna Freud, die sie nach Kriegsende Engelman aushändigte. Die damals angefertigten Aufnahmen wurden bei der Neugestaltung des Museums 1984 mit Genehmigung der Erben ins Ausstellungsdesign eingearbeitet. Aufnahmen aus Behandlungs- und Arbeitszimmer sind an den entsprechenden Stellen an der Wand angebracht, die im Bild dargestellt sind, und vermitteln so ein Panorama des damaligen Zustandes.
 
 
Fotos:
Sigmund Freuds Behandlungszimmer in der Berggasse 19, 1938, Foto von Edmund Engelman, (c) Thomas Engelman
Haustor Berggasse 19, 1938, Foto von Edmund Engelman, (c) Thomas Engelman
 

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