Carlo Strenger (1958 – 2019)

Carlo Strenger, XLV. Sigmund Freud Vorlesung, 2018 (c) Martin Hoermandinger
Carlo Strenger, XLV. Sigmund Freud Vorlesung, 2018 (c) Martin Hoermandinger

Der Philosoph, Psychoanalytiker und Publizist Carlo Strenger war seit 2010 Mitglied im Beirat der Sigmund Freud Privatstiftung. Seine Stimme in diesem Gremium war ebenso gewichtig wie seine Beiträge wertvoll und sein Wesen großzügig. Carlo Strengers Bereitschaft zu intellektueller Diskussion jenseits jeglicher Einschränkungen sowie seine Lust an Kritik und Kontroverse waren für die Arbeit des Beirates prägend und somit auch für das wissenschaftliche Profil der Sigmund Freud Privatstiftung im letzten Jahrzehnt. Sein Engagement lässt sich an unterschiedlichen Projekten ebenso gut ablesen wie an seinen klugen und umsichtigen Vorschlägen für Einladungen zur Sigmund Freud Vorlesung. Carlos herzliche und humorvolle Art sowie intellektuelle Schärfe werden uns unvergesslich bleiben. Im Mai 2018 moderierte Carlo Strenger die Sigmund Freud Vorlesung von Philipp Blom, Let Me Tell You a Story. Narrative Identitäten in Zeiten des Aufruhrs. Seinen ersten Vortrag in der Berggasse 19 hielt er 2010 bei der Konferenz „Geld und Seele“ unter dem Titel „Just Do It“ – Globaler Mythos und seelische Realität.

Durch und durch von liberaler Gesinnung befasste sich Carlo Strenger in den letzten Jahren mit der allumfassenden Verunsicherung, mit der westliche Gesellschaften und ihre BürgerInnen angesichts der politischen Entwicklungen seit dem Ende des Kalten Krieges ringen. 2017 diskutierte Carlo Strenger anlässlich des Erscheinens seines Buches Abenteuer Freiheit. Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Kultur (Suhrkamp 2017) mit Michael Fleischhacker im Sigmund Freud Museum. Bereits 2015 erschien zu diesem Themenkomplex Zivilisierte Verachtung. Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit. Sein 2019 erschienenes Buch Diese verdammten liberalen Eliten: Wer sie sind und warum wir sie brauchen konnte er leider nicht mehr persönlich in der Berggasse 19 präsentieren.

Carlo Strenger wurde 1958 in Basel geboren. Nach dem Studium der Psychologie und Philosophie in Zürich promovierte er 1989 in Jerusalem. Seine akademische Tätigkeit verstand er international, Lebensmittelpunkt und zentraler Ort der Lehre war die Universität Tel Aviv, an der er bis zuletzt als Professor für Psychologie und Philosophie lehrte. Einer breiten deutschsprachigen Öffentlichkeit wurde der in Tel Aviv praktizierende Psychoanalytiker mit weltweitem Netzwerk neben seinen Buchpublikationen auch durch seine Kolumne in der Neuen Zürcher Zeitung bekannt, die zwischen 2012 und 2019 erschien. International publizierte er zudem regelmäßig im Guardian und Ha’aretz. Er war Senior Research Fellow an der City University of New York, und Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.
 
 
Am 25. Oktober 2019 verstarb Carlo Strenger, den wir schmerzlich vermissen, erst 61-jährig in Tel Aviv.
 
 
Im Namen der Sigmund Freud Privatstiftung
 
Jeanne Wolff Bernstein (Vorsitzende des Beirats)
 
Peter Nömaier, Monika Pessler, Daniela Finzi (Vorstand)
 

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