Anton O. Kris 1934 - 2021

Wir trauern um Anton O. Kris, der am 11. März 2021 verstarb. 1934 als Sohn von Ernst und Marianne Kris (geborene Rie) in Wien geboren, entkam der damals Vierjährige gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Schwester Anna 1938 dem Terrorregime des Nationalsozialismus und verbrachte seine Jugendjahre in New York. Anton O. Kris studierte Psychiatrie an der Yale University und der Harvard Medical School. Seine Ausbildung zum Psychoanalytiker absolvierte er in Boston (Boston Psychoanalytic Society & Institute), wo er mit seiner Familie lebte und sich in zahlreichen Institutionen hochgeschätzt und ambitioniert in Theorie und Praxis für die Psychoanalyse ebenso wie für seine Patientinnen und Patienten einsetzte. 1982 trat er als Autor von Free Association: Method and Process (Yale University Press) hervor; außerdem wirkte er im Redaktionsbeirat mehrerer psychoanalytischer Zeitschriften, im Kuratorium der Anna Freud Foundation und war als Executive Director der Freud Archives tätig.

Mit der Familie Freud und insbesondere mit Anna Freud war er freundschaftlich sowie beruflich eng verbunden. Auch das Sigmund Freud Museum in Wien unterstützte er über Jahre hinweg auf vielfältige Art und Weise. So verdankt ihm das Sigmund Freud Museum ein besonderes Exemplar von Charles Dickens‘ David Copperfield: 1882 schenkte Sigmund Freud dieses Buch seiner Verlobten und späteren Frau Martha Bernays, diese wiederum gab es Jahrzehnte später dem jungen Anton Kris. Gemeinsam mit Anna Freud beschloss Anton Kris 1977, das Buch dem Sigmund Freud Museum zu stiften und so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Heute ist diese kostbare Publikation in der neuen Dauerausstellung zu Leben und Werk Sigmund und Anna Freuds an prominenter Stelle in der ehemaligen Privatwohnung der Familie Freud ausgestellt.

In dankbarer Erinnerung an sein großzügiges und humorvolles Wesen sind wir in Gedanken bei seiner Familie.

(Nachruf im  Boston Globe: https://legcy.co/3eC4YAW)

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