Helmut Klewan

Einen „Künstler – im Quadrat“ würde Marcel Duchamp Helmut Klewan wohl nennen, weil sich dieser seit Jugendtagen in der Betrachtung von Kunst übt, sich darin verlieren kann, sie erforscht und umsichtig auswählt: für seine Galerien in Wien (ab 1970) und in München (ab 1977) und selbstverständlich bis heute privat – und sich so „selbst eine Sammlung malt“.

Helmut Klewan ist schon seit Anfang der 1960-er Jahre als Sammler, Galerist, Autor und Publizist in der österreichischen sowie internationalen Kunstszene aktiv: vorab im elterlichen Kunst- und Antiquitätenhandel, dem „Haus der Bilder“ in Wien, später beginnt er das Studium der Kunstgeschichte, diskutiert mit befreundeten Künstler:innen und interessiert sich dabei zunehmend für Zeitgenössisches. Klewans Biografie lässt keine Unterscheidung zwischen Kunst und Leben zu; dass er dem auch als „Philosophie und Lebenshaltung“ verstandenen Surrealismus einen besonderen Stellenwert in seiner Sammlung einräumt, verwundert daher nicht. Neben Werken der bedeutendsten surrealistischen Künstler:innen birgt sein Fundus auch zahlreiche Fotografien und Porträts, die einerseits Zeugnis von der engen Verbindung der Protagonist:innen untereinander ablegen und andererseits ihr spezifisch künstlerisches Denken und Handeln ins Bild setzen. Blicken wir nur auf Giacomettis Porträt des Schriftstellers Michel Leiris, auf Picassos Konterfei von Paul Éluard und Jacques Prévert oder Valentine Hugos Bildnis des Dichters Arthur Rimbaud, um hier nur einige zu nennen.
Als nahezu unerschöpfliches Kontinuum eröffnet Klewans Sammlungstätigkeit zudem Einblicke in die Fortsetzung surrealer Bildfindungen, wie sie sich im deutschen und österreichischen Phantastischen Realismus wiederfinden – in den Werken eines Mac Zimmermann, Edgar Jené, Kurt Regschek, Fritz Janschka und Heinz Stangl.

2019 entstand zur Ausstellung "Rendez-Vous der Künstler: De Chirico, Giacometti, Lassnig, Picasso ... Meisterwerke aus der Sammlung Klewan" im Schaezlerpalais, Augsburg, ein 30-minütiger Film, der Helmut Klewan im Gespräch mit Christiane Lange, Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart, zeigt.

 

Der Sammler Helmut Klewan

Für die Kooperation mitsamt den wunderbaren Leihgaben, die die Ausstellung „SURREAL! Vorstellung neuer Wirklichkeiten“ am Ursprungsort der Psychoanalyse ermöglicht, dankt das Sigmund Freud Museum Helmut Klewan sehr herzlich – im Besonderen auch für die Schenkung des Bildnisses von Sigmund Freud das Hermann Struck 1914 fertigte. Der Porträtierte schrieb im November 1914 an den Künstler: „Die Radierung finde ich eine reizende Idealisierung. So möchte ich aussehen und bin vielleicht auf dem Wege dazu … Sie haben das Ruppige und Eckige in Abgerundetes und Welliges übersetzt. … Sie gefällt mir bei jedem Ansehen besser“.