Annas Behandlungszimmer
Ab Anfang 1921 verwendete Anna Freud diesen größeren Raum als ihr Arbeitszimmer, 1923 eröffnete sie hier auch ihre Praxis.
Mitte der 1920er-Jahre lud Anna Freud regelmäßig an Samstagabenden Kolleg:innen ein, um psychoanalytische, pädagogische und gesellschaftliche Fragen zu diskutieren.
Zu psychoanalytischen Behandlungen empfing sie Kinder und Erwachsene. Ihre publizierten Vorträge belegen, dass in ihren Analysestunden mitunter die Einrichtung des Zimmers wie beispielsweise der gemusterte Teppich oder der Tisch, unter dessen Tischtuch ein zehnjähriger Patient regelmäßig verweilte, miteinbezogen wurde. Wie in Freuds Praxis stand auch hier neben der Couch ein Kachelofen, dieser hat die Jahrzehnte in der Berggasse überdauert. Weiters gab es zwei Bücherregale und ein zusätzliches Büchergestell von Felix Augenfeld, ein japanisches Kastenmöbel und eine Sitzecke mit selbstgefertigten Decken. Auf ihrem Schreibtisch stand wie auf dem Freuds eine kleine Kollektion von Antiken; oberhalb der Couch hing ein Porträt ihres Vaters: wie auch heute eine Radierung von Ferdinand Schmutzer.
Aus Anna Freuds Korrespondenz mit Lou Andreas Salomé geht hervor, dass ihr Schäferhund Wolf während der Analysestunden im Raum war. (Sigmund Freud, ab 1928 Besitzer von Hunden, ließ deren Anwesenheit bei seinen psychoanalytischen Sitzungen – vielleicht seiner Tochter folgend – ebenfalls zu.)
Die Wandtapezierung war nicht raumhoch (ablesbar an den Spuren der Nagelleiste), aber in demselben Rot-Farbton wie in Sigmund Freuds Behandlungszimmer. An der Decke Reste einer Malerei der Bauzeit des Hauses und Reste einer darüber aufgetragenen Malerei des 20. Jahrhunderts.