Anna Freud & Dorothy Burlingham
Gemeinsam – vor und nach dem Krieg
Anna Freud beginnt nach 1918 ihre (Lehr-)Analyse beim eigenen Vater. Ein solches Naheverhältnis zwischen Analytiker:in und Patient:in ist heute völlig undenkbar, zum damaligen Zeitpunkt aber nichts Außergewöhnliches. Auch C. G. Jung, Karl Abraham oder Melanie Klein nehmen ihre eigenen Kinder in Analyse.
1923 besucht Anna Freud, die zeit ihres Lebens gerne handarbeitet, eine Teppich- und Gobelin-Webeschule. 1925 lernt sie die Amerikanerin Dorothy Burlingham kennen, die für ihren asthmakranken Sohn Bob eine psychoanalytische Behandlung sucht. Nach Annas Einwilligung, Bobs Analyse zu übernehmen, übersiedelt Dorothy mit ihren vier Kindern nach Wien. Zunächst in Analyse bei Theodor Reik, wird Dorothy Burlingham 1927 Patientin von Sigmund Freud und bezieht 1929 die Wohnung zwei Stockwerke oberhalb der Freuds. Zwischen Anna und Dorothy entwickelt sich eine enge Beziehung, bis zu ihrem Lebensende arbeiten und leben sie zusammen.
1931 kaufen beide Frauen gemeinsam ein altes Bauernhaus in Hochrotherd im Wiener Wald, das sie mit bunten Bauernmöbeln einrichten. Nach ihrer Emigration ins Londoner Exil finden diese Möbel in einem Wochenendhaus in Walberswick an der englischen Ostküste Platz. Nach Kriegsende versucht Anna Freud den Verkauf des Anwesens in Hochrotherd, der 1938 unter Wert erfolgte und dessen Erlös an das ‚Deutsche Reich‘ fiel, rückgängig zu machen, doch ohne Erfolg.
Erst 1971 kehrt Anna Freud anlässlich des 27. Kongresses der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) nach Wien zurück und besichtigt die eben eröffnete Gedenkausstellung in den ehemaligen Praxisräumen ihres Vaters. Im Rahmen des Kongresses stellt sie ihr Vorhaben vor, mit Hilfe von Bücherspenden ihrer KollegInnen der IPV eine Bibliothek in der Berggasse 19 zu errichten.