SIGMUND FREUD THEMEN

Samuel Goldwyn, Filmproduzent in Hollywood, versuchte 1925 Sigmund Freud gegen 100.000 Dollar zur Mitarbeit an einem Liebesfilm über Antonius und Kleopatra zu gewinnen - ohne Erfolg. Noch im selben Jahr ersuchte der Filmproduzent Hans Neumann die Berliner Psychoanalytiker Hanns Sachs und Karl Abraham, als Berater für einen "psychoanalytischen Film" mitzuwirken. So populär schien die Psychoanalyse zu diesem Zeitpunkt, daß selbst die deutsche Filmindustrie in ihr ein zugkräftiges Thema für ein Massenpublikum erblicken wollte. Abraham und Sachs nahmen trotz Freuds heftigster Proteste das Angebot an und überarbeiteten das Drehbuch zum Film "Geheimnisse einer Seele. Ein psychoanalytisches Kammerspiel" (Regie: G.W.Pabst, Drehbuch: Colin Ross). Der Ufa-Film rekonstruierte einen von Freud berichteten Fall seelischer Störung und ihre Heilung durch die Analyse. Sachs erstellte eine Begleitbroschüre zum Film unter dem Titel "Psychoanalyse. Rätsel des Unbewußten", die das Publikum über die wichtigsten Grundlinien der psychoanalytischen Therapie aufklären sollte.
Werner Krauß und Pawel Pankow in
Szenenfoto aus dem Film "Geheimnisse einer Seele", der am 24. 3.1926 in Berlin uraufgeführt wurde; den Patienten spielte Werner Krauß, den Arzt Pawel Pankow.
A. J. Storfer
A. J. Storfer
In Wien entwickelten unterdessen A.J.Storfer und Siegfried Bernfeld den Plan, für den Internationalen Psychoanalytischen Verlag einen Gegenfilm zu "Geheimnisse einer Seele" zu produzieren. Der Einstieg der beiden Analytiker ins Filmgeschäft erwies sich jedoch als ein glückloser: Ihr Film-Projekt scheiterte an der mangelnden Unterstützung von seiten der anderen Psychoanalytiker und nicht zuletzt am fehlenden Finanzkapital. Als Freud von den Film-Plänen des eigenen Verlags erfuhr, bekräftigte er Ferenczi gegenüber noch einmal seine Abneigung gegen alles, was seine Person mit einem Film in Verbindung bringen könnte: "In Filmsachen gehen dumme Dinge vor. Die Gesellschaft, die Sachs und Abraham betörte, hat es natürlich doch nicht unterlassen können, meine 'Zustimmung' vor der Welt zu proklamieren. Ich habe bei Sachs kräftig remonstriert, die Neue Freie Presse brachte heute schon ein Dementi. Unterdes kam heraus, daß Bernfeld mit Storfer in eine ähnliche Unternehmung verwickelt ist. Ich werde sie nicht zurückhalten, denn die Verfilmung läßt sich sowenig vermeiden wie scheint es der Bubikopf, aber ich lasse mir selbst keinen schneiden und will auch mit keinem Film in persönliche Verbindung gebracht werden." (Freud an Ferenczi, 14.8.1925) Für einen Liebesfilm seinen Namen herzugeben, wie es ihm Goldwyn angetragen hatte, schien Freud weniger abwegig als der Versuch, die Psychoanalyse selbst zu verfilmen. Sein Haupteinwand gegen ihre Visualisierung blieb, daß er "es nicht für möglich halte, unsere Abstraktionen in irgendwie respektabler Weise plastisch darzustellen." (Freud an Abraham, 9.6.1925)
Siehe auch:
[ CHRONOLOGIE / 1925 ]