SIGMUND FREUD THEMEN

1919a

Wege der psychoanalytischen Therapie. In: INTERNAT. ZSCHR. ÄRZTL. PSYCHOANAL., Bd. 5 (1919), S. 61-68.
Die "Wege der psychoanalytischen Therapie" ist die Ansprache, die Freud 1918 - kurz vor dem Ende des Ersten Weltkrieges - in Budapest am Fünften Internationalen Psychoanalytischen Kongreß gehalten hat. In dieser verteidigt er die "Abstinenz" des Psychoanalytikers von jedem "aktiven" Eingreifen in das Leben des Patienten. Einzige Aufgabe des Analytikers ist es, das Verdrängte bewußt zu machen und die dabei auftretenden "Widerstände" zu analysieren. Der Psychoanalytiker dürfe dem Patienten nicht seine eigenen Ideale aufdrängen. - U.a. plädiert Freud hier für die Einrichtung psychoanalytischer Polikliniken, um auch den Ärmeren Hilfe anbieten zu können, in denen aber eine modifizierte Behandlungstechnik notwendig wäre. Er merkt an, daß der Arme vermutlich noch weniger als der Reiche bereit sei, auf die Neurose zu verzichten, da "das schwere Leben, das auf ihn wartet, ihn nicht lockt."

 

1919c

"Ein Kind wird geschlagen". Beitrag zur Kenntnis der Entstehung sexueller Perversionen. In: INTERNAT. ZSCHR. ÄRZTL. PSYCHOANAL., Bd. 5 (1919), S. 151-172.
Eine Untersuchung der bei Männern und Frauen vorkommenden Phantasie, "ein Vater schlägt ein Kind" bzw. "ich werde von meinem Vater geschlagen". Eine Erklärung des möglichen Lustgewinns dieser Phantasie führt zu einer Behandlung des Problems des Masochismus und des Mechanismus der Verdrängung in solchen Phantasien.

 

1919e

Das Unheimliche. In: IMAGO, Bd. 5 (1919), S. 297-324.
Die 1919 erstmals veröffentlichte Arbeit "Das Unheimliche" verstand Freud primär als einen Beitrag zur Ästhetik - er veröffentlichte sie in einem Sammelband zusammen mit anderen Schriften zu Literatur und Kunst -, dennoch geht sie über diesen Bereich weit hinaus, indem sie allgemein vom Unheimlichen als psychischem Phänomen des alltäglichen Lebens handelt. Freud stellt sich dabei vor allem die Frage, wodurch etwas zum Unheimlichen wird und damit was im Unheimlichen eigentlich als so beunruhigend empfunden wird. Als Kern des Unheimlichen versucht er die "Kastrationsangst" in ihren verschiedenen Variationen herauszuarbeiten.

 

1920a

Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 6 (1920), S. 1-24.
Krankengeschichte einer 18jährigen Frau, die sie sich zum Entsetzen ihrer Eltern leidenschaftlich in eine 28jährige Frau verliebt hatte und nach einem Selbstmordversuch von ihren Eltern zu Freud in Analyse geschickt wurde. Die Analyse selbst bleibt unabgeschlossen. Freud thematisiert hier erstmals ausführlicher seine These, daß jeder Mensch bisexuell veranlagt ist und sich auch bei Heterosexuellen eine latente Homosexualität feststellen läßt, das Ziel einer Analyse daher nicht in einer Zwangs-Heterosexualisierung bestehen kann, sondern nur in einer Wiederherstellung der "bisexuellen Funktion" bestehen kann.

 

1919f

E. T. A. Hoffmann über die Bewußtseinsfunktion In: INTERNAT. ZSCHR. ÄRZTL. PSYCHOANAL., Bd. 5 (1919), S. 308.
1920a

Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 6 (1920), S. 1-24.
Krankengeschichte einer 18jährigen Frau, die sie sich zum Entsetzen ihrer Eltern leidenschaftlich in eine 28jährige Frau verliebt hatte und nach einem Selbstmordversuch von ihren Eltern zu Freud in Analyse geschickt wurde. Die Analyse selbst bleibt unabgeschlossen. Freud thematisiert hier erstmals ausführlicher seine These, daß jeder Mensch bisexuell veranlagt ist und sich auch bei Heterosexuellen eine latente Homosexualität feststellen läßt, das Ziel einer Analyse daher nicht in einer Zwangs-Heterosexualisierung bestehen kann, sondern nur in einer Wiederherstellung der "bisexuellen Funktion" bestehen kann.

 

1920b

Zur Vorgeschichte der analytischen Technik. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 6 (1920), S. 79-81.
1920c

Dr. Anton von Freund†. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 6 (1920), S. 95f.
1920d

Gedankenassoziation eines vierjährigen Kindes. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 6 (1920), S. 157.
1920e

Ergänzungen zur Traumlehre. [Zusammenfassung Freuds von seiner Ansprache auf dem 6. Internationalen Psychoanalytischen Kongreß in Den Haag]. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 6 (1920), S. 397f.
1920f

JENSEITS DES LUSTPRINZIPS. Leipzig, Wien, Zürich 1920.
Die 1920 veröffentlichten Schrift "Jenseits des Lustprinzip" gilt als Wendepunkt in Freuds Spätwerk. Noch einmal beginnt er ein neues Modell der menschlichen Psyche zu entwickeln: Jenseits des Lustprinzips herrscht der "Wiederholungszwang", d.i. das unbewußte Streben vergangene Zustände zu wiederholen, auch bzw. gerade wenn sie unlustvoll erlebt wurden und werden. Denn das vom Menschen ursprünglich nur passiv Erlittene will dieser sich aneignen, indem er es sich nun selbst aktiv zufügt, d.h. in ein aktiv Wiederholtes verwandelt. - Ausgehend vom "Wiederholungszwang", der sich somit dem Lustprinzip zu widersetzen scheint, entwickelt Freud eine Zweiteilung der Triebe in sog. "Lebenstriebe" (den "Eros") und ihnen entgegengesetzte "Todestriebe". Damit erhält die Destruktivität, der Haß und die Aggressivität für Freud einen selbständigen Stellenwert. Sie sind nicht mehr bloße Ableitungen eines verirrten Luststrebens. So wie die Lebenstriebe Ausdruck des Strebens des Organischen sind, sich selbst als lebende Organismen zu reproduzieren, d.h. ihr Leben in alle Ewigkeit zu wiederholen und nicht zu sterben, so ist der Todestrieb der im Organischen wirkende Wunsch, die anorganische Ruhe vor der Geburt wiederherzustellen, d.h. das Leben zu beenden, um den vergangenen anorganischen Zustand, aus dem jedes Lebende stammt, zu wiederholen. Der letztliche Sieg des Todestriebs über die Lebenstriebe führt nach Freud schließlich zum Tode des Organismus.

 

1921g

MASSENPSYCHOLOGIE UND ICH-ANALYSE. Wien 1921.
In "Massenpsychologie und Ich-Analyse" versucht Freud - zum Teil von den Ereignissen des Ersten Weltkriegs angeregt - die Entstehung von Massen, die Ausschaltung des persönlichen Gewissens in großen Gruppen und Organisationen (Kirche und Heer) sowie die ungehemmte Affektivität und die produzierte Denkhemmung aus der Konstitution des individuellen Ichs zu erklären: das Aufgehen in der Masse als sozial anerkannte Form, individuelle Konflikte zu lösen. Ist die individuelle Regression in der Neurose mit Konflikten beladen, bietet die soziale Gruppe die Möglichkeit einer Regression ohne Konflikt. Voraussetzung dieses Verschmelzens mit einem kollektiven Subjekt ist dabei die gemeinsame Übertragung des eigenen "Ich-Ideals" auf die Gruppe; belohnt wird dies durch ein sozial allgemein akzeptiertes Abwerfen von Verdrängungen, die ein ungehemmtes Ausleben der eigenen Affekte ermöglicht. Erst die Auflösung der Masse, die ihre Mitglieder mit ihren ungehemmten Affekten plötzlich wieder alleine zurückläßt, führt zum Ausbruch von Panik - bis die persönlichen Verdrängungen und das individuelle Gewissen wieder aktiviert sind bzw. die aufgelöste Masse durch eine neue ersetzt worden ist.

 

1922a

Traum und Telepathie. In: IMAGO, Bd. 8 (1922), S. 1-22.
Untersuchung sog. "telepathischer" Träume. Freud versucht dabei an Fallbeispielen die vom Volksglauben behauptete Verbindung des Träumens mit der "Telepathie" zu widerlegen und scheinbare Bestätigungen als Wunscherfüllungen zu deuten.

 

1922b

Über einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und Homosexualität In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 8 (1922), 249-258.
1922c

Nachschrift zur Analyse des kleinen Hans [(1909b)]. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 8 (1922), S. 321.
Eine "Nachschrift" zu der berühmten Fallgeschichte des "kleinen Hans", die Freud dreizehn Jahre früher unter dem Titel "Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben" (1909b) veröffentlicht hatte: Der "kleine Hans" hatte eine starke Pferdephobie entwickelt, er weigerte sich auf die Straße zu gehen aus Angst, ein Pferd könnte ihn beißen. Im Zuge dieser ersten Psychoanalyse eines Kindes konnte Freud die Bedeutung der infantilen Sexualtheorien und -phantasien an den Ängsten eines Kindes untersuchen: die Tatsache, daß Kinder sich eigene Theorien über die Sexualität bilden, die von denen der Erwachsen sehr verschieden sind; ebenso verschieden wie die von Freud entdeckte "infantile Sexualität" von der auf die Genitalien fixierten Sexualität Erwachsener. - In der "Nachschrift" zu diesem Fall aus dem Jahre 1922 berichtet Freud von einem Besuch des inzwischen neunzehnjährigen "Hans" bei ihm, der seit der damaligen Analyse keinerlei phobische Symptome mehr entwickelt hatte und sich - wie Freud überrascht feststellte - weder an die Analyse noch an die Pferdephobie selbst erinnern konnte.

 

1922d

Etwas vom Unbewußten [Zusammenfassung Freuds von seiner Ansprache auf dem 7. Internationalen Psychoanalytischen Kongre^s in Berlin]. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 8 (1922), S. 486.
1923a

Libidotheorie; Psychoanalyse. In: HANDWÖRTERBUCH DER SEXUALWISSENSCHAFT, hrsg. von Max Marcuse, Bonn: 1923.
1923b

DAS ICH UND DAS ES. Wien 1923.
In "Das Ich und das Es" ist das letzte von Freuds großen theoretischen Werken. In ihm entwickelt Freud das wohl bis heute allgemein bekannteste Instanzenmodell ("Topik") der menschlichen Psyche: die drei Instanzen des "Es", des "Ich" und des "Über-Ich" (In der "Traumdeutung" etwa arbeitete er noch mit dem - auch weiterhin gültigen - Modell des "Unbewußten", des "Vorbewußten" und dem "Bewußten"). - Alle Instanzenmodelle haben die Aufgabe, die menschliche Psyche und deren oft widersprüchlichen Gefühle durch ein Konfliktmodell zu erklären. Sie ermöglichen Freud auch die unangenehmsten Träume und Symptome als "Wunscherfüllungen" zu betrachten; wobei die Wünsche des (triebhaften) "Es" jedoch nicht unbedingt die Wünsche des "Ich" sind, und die Wünsche des (strafenden) "Über-Ich" können manchmal recht schmerzhaft sein. Die notwendige Folge ist, daß jede psychische Äußerung des Menschen Produkt widersprüchlicher Forderungen ist, d.h. durch mehrere sich überlagernde Wünsche "überdeterminiert" ist: ein Alptraum könnte so z.B. als Kompromiß zwischen den verdrängten lustvollen Wünschen des "Es" und den strafenden Wünschen des als Gewissen fungierenden "Über-Ich" gedeutet werden. - Die konflikthaften Grenzen der drei "Instanzen" - die verstehen helfen, die Psyche des Menschen als in sich widersprüchlich zu begreifen - sind eine der theoretischen Voraussetzungen, um überhaupt sinnvoll von "Verdrängung" sprechen zu können.

 

1923c

Bemerkungen zur Theorie und Praxis der Traumdeutung In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 9 (1923), S. 1-11.
1923d

Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert In: IMAGO, Bd. 9 (1923), S. 1-34.
In dieser Schrift analysiert Freud einen mittelalterlichen Bericht über einen "Teufelspakt" und die wundersame Erlösung und Heilung von diesem: Der Wiener Maler Christoph Haitzmann bricht mit Krämpfen im Jahre 1677 in der Kirche zusammen, und gesteht den Priestern, er habe eine neunjährigen Pakt mit dem Teufel geschlossen, kurz nachdem sein Vater gestorben war. Der Mann wird von seinen wiederkehrenden Anfällen - wie der Bericht eines Mönches stolz berichtet - geheilt durch Maria, die "Mutter Gottes", bei einer Wallfahrt in Mariazell, woraufhin dieser selbst in ein Kloster eintritt, in dem er kurz darauf in Frieden stirbt. - Freud analysiert vor allem die Entwicklungslinie der psychischen Dynamik vom Vater, den Christoph Haitzmann verliert, über den Teufel, den er sich daraufhin durch einen schriftlichen Vertrag verpflichtet, zu den Patres des Klosters, die ihn durch die Gnade der "Mutter Gottes" erlösen und denen er daraufhin beitritt.

 

1923e

Die infantile Genitalorganisation (Eine Einschaltung in die Sexualtheorie). In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 9 (1923), S. 168-171.
1923f

Josef Popper-Lynkeus und die Theorie des Traumes In: ALLGEMEINE NÄHRPFLICHT, Bd. 6 (1923).
1923g

Dr. Ferenczi Sándor (Zum 50. Geburtstag). In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 9 (1923), S. 257-259.
1924a

Neurose und Psychose. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 10 (1924), S. 1-5.
Versuch systematisch die Krankheitsformen innerhalb des neuen Instanzenmodells zu interpretieren (s. zum Instanzenmodell: "Das Ich und das Es", 1923b). Die Neurose ist so als Konflikt zwischen dem "Es" und dem "Ich" zu verstehen; die Psychose als Konflikt zwischen dem "Es" und der Außenwelt; die Melancholie schließlich als Konflikt zwischen dem "Ich" und dem "Über-Ich".

 

1924b

Das ökonomische Problem des Masochismus. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 10 (1924), S. 121-133.
In "Das ökonomische Problem des Masochismus" rechtfertigt Freud noch einmal seine schon 1920 in "Jenseits des Lustprinzip" entwickelte Theorie des "Todestriebes", d.i. die Theorie eines ursprünglichen Destruktionstriebes im Unterschied zu den "Lebenstrieben". Es ist die ausführlichste Darstellung Freuds des Phänomens des Masochismus, der Lust am eigenen Schmerz bzw. der eigenen Erniedrigung. Hatte Freud vor der Einführung des Todestriebes noch angenommen, der Masochismus sei ein gegen sich selbst gekehrter Sadismus, d.h. den Sadismus als das Primäre und den Masochismus als ein bloß von diesem Abgeleitetes ansah, erkennt er nun die Existenz eines "ursprünglichen Masochismus" an, eines sog. "erogenen" Masochismus. Von diesem sollen sich nun die zwei unterschiedenen Formen des "femininen" und des "moralischen" Masochismus ableiten.

 

1924c

Der Untergang des Ödipuskomplexes. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 10 (1924), S. 245-252.
Der "Ödipuskomplex", das "zentrale Phänomen der frühkindlichen Sexualperiode", muß untergehen, d.h. verdrängt werden, um die auf ihn folgende "Latenzzeit" einzuleiten. Freud behandelt in dieser Schrift nun erstmals den geschlechtsspezifischen Unterschied dieses Verlaufs der Entwicklung der Sexualität beim Knaben und der des Mädchens (zur "normalen" Entwicklung der Sexualität des Mädchens siehe: "Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds", 1925f).

 

1924e

Der Realitätsverlust bei Neurose und Psychose. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 10 (1924), S. 374-379.
1925a

Notiz über den "Wunderblock". In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 11 (1925), S. 1-5.
Anhand des "Wunderblocks", eines heute vor allem als "Zaubertafel" in Spielzeuggeschäften bekannten kleinen Schreibgeräts, erläutert Freud die verschiedenen Systeme des "Bewußten", des "Vorbewußten" und des "Wahrnehmungs-Bewußtseins". Im Zentrum steht der Vergleich der "Erinnerungsspuren" mit den dauerhaften Schreibspuren in der Wachsmatrize des "Wunderblocks".

 

1925b

"Selbstdarstellung". DIE MEDIZIN DER GEGENWART IN SELBSTDARSTELLUNGEN, hrsg. v.L[ouis] R. Grote (8 Bde., Leipzig 1923-1929), Leipzig 1925.
Die "Selbstdarstellung" bietet eine prägnante zusammenfassende Darstellung der Entwicklung der Psychoanalyse aus Freuds eigener Sicht.

 

1925c

Die Widerstände gegen die Psychoanalyse. In: IMAGO, Bd. 11 (1925), S. 222-233.
Versuch die vehementen Widerstände gegen die Psychoanalyse zu erklären als die "dritte Kränkung der Menschheit": Nachdem Kopernikus die Erde aus dem Mittelpunkt des Kosmos gerückt hatte, Darwin die Abstammung des Menschen vom Tier behauptete, würde nun die Psychoanalyse mit ihrer Theorie des Unbewußten dem Menschen zumuten, zu akzeptieren, er sei nicht "Herr im eigenen Haus" (des Bewußtseins).

 

1925d

Josef Breuer†. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 11 (1925), S. 255f.
1925e

Die Verneinung. In: IMAGO, Bd. 11 (1925), S. 217-221.
Kleine, aber einflußreiche Arbeit Freuds zur "Verneinung": wie diese eine widersprüchliche Einheit sich gegenseitig ausschließender Tendenzen ist. Denn gerade in einer verneinten Aussage kann das Verneinte, d.i. das Verdrängte, Zugang zum Bewußtsein bekommen. Unter dem Schutz der Negation kann die psychische "Zensur" umgangen werden. Die Vorstellung des Zensurierten kann intellektuell bewußt werden während der ihr korrespondierende Affekt weiterhin - durch die Negation - verdrängt bleibt. Gerade das heftige Leugnen einer Vorstellung beweist, daß man zumindest an sie gedacht hat.

 

1925f

Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 11 (1925), S. 401-410.
"Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds" ist eine Darstellung der weiblichen Entwicklung der Sexualität, vor allem des "Ödipuskomplexes" des Mädchens im Unterschied zur Entwicklung des Knaben (zur "normalen" Entwicklung der Sexualität des Knabens siehe: "Der Untergang des Ödipuskomplexes", 1924c). Die Differenz ergibt sich gerade aus der Tatsache, daß der Ausgangspunkt ihrer Entwicklung derselbe ist: sowohl für Mädchen als auch für Knaben ist das erste Sexualobjekt und damit Prototyp jeglicher späteren Liebesbeziehung die Brust der stillenden Mutter. Die erst spätere Erkenntnis, daß diese eine Frau ist im Unterschied zum Vater, beeinflußt die weitere Entwicklung: die Erkenntnis des anatomischen Geschlechtsunterschieds prägt in unterschiedlicher Weise ab nun die Selbstwahrnehmung und die Wahl des Sexualobjektes.

 

1926a

An Romain Rolland [Brief zum 60. Geburtstag] (29.1.1926). LIBER AMICORUM ROMAIN ROLLAND, Zürich, Leipzig: 1926.
1926b

Karl Abraham†. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 12 (1926), S. 1f.
1926c

Bemerkung zu E. Pickworth Farrow, Eine Kindheitserinnerung aus dem 6. Lebensmonat. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 12 (1926), S. 79-84; die Bemerkung S. 79.
1926d

HEMMUNG, SYMPTOM UND ANGST. Wien 1926.
Der Titel der Schrift "Hemmung, Symptom und Angst" geben schon die Themen vor, die Freud hier durch eine neue Theorie der Angst zu verknüpfen sucht:: Die Wahrnehmung einer Gefahr des Objektverlustes bzw. des Liebesverlustes führt zum Signal der Angst. Unbewältigte Angst ist so eine der Ursachen der "Verdrängung". Neurotische Symptome versuchen die Angst in einer Weise zu binden, die es ermöglicht, einerseits der drohenden Gefahr zu entgehen (als "sekundärer Krankheitsgewinn") andererseits im Symptom eine Ersatzbildung der unterlassenen Triebbefriedigung zu erlangen. Jede Hemmung ist so ein Symptom, das zur Angstabwehr den Weg eines Funktionsverzichts geht. Die therapeutische Auflösung einer Hemmung bzw. eines Symptoms geht daher mit dem Entbinden einer Angst einher, von der der Analysand hoffte, er hätte sie längst überwunden. - Freud verbindet diese Theorie u.a. mit ausführlichen Betrachtungen zur Phobie, der Zwangsneurosen, der verschiedenen Widerstandsarten und der Verdrängungen.

 

1926e

DIE FRAGE DER LAIENANALYSE. UNTERREDUNGEN MIT EINEM UNPARTEIISCHEN. Wien 1926.
Anlaß der Schrift "Die Frage der Laienanalyse" war ein sich zum öffentlichen Skandal entwickelnder Gerichtsfall: 1926 war der Psychoanalytiker Theodor Reik, ein Nichtmediziner, der "Kurpfuscherei" angeklagt, da ein österreichisches Gesetz Nichtmedizinern die Behandlung von Patienten untersagte. Strittig war, ob eine Psychoanalyse als ärztliche Therapie im engeren Sinne anzusehen sei, d.h. ob nur Ärzte diese auch ausüben dürfen. Freud vertrat vehement die Auffassung, das Recht die Psychoanalyse auszuüben, sei nicht Berufsmedizinern vorzubehalten, sondern auch den sog. (ärztlichen) "Laien" zuzugestehen. (Das Gerichtsverfahren gegen Theodor Reik wurde letztlich vom Staatsanwalt eingestellt.) - Für die weitere Entwicklung der Psychoanalyse wichtiger erwies sich die an diesen Fall anschließende Diskussion der Berechtigung der sog. "Laienanalyse" innerhalb der psychoanalytischen Vereinigungen: nach einer sehr kontroversiell geführten Diskussion, bei der sich nur eine knappe Mehrheit für die Zulassung der Laienanalytiker in der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung fand, schlossen die Psychoanalytiker in den Vereinigten Staaten - gegen den ausdrücklichen Willen Sigmund Freuds - alle Nichtmediziner von der Psychoanalyse aus.

 

1926f

Psycho-Analysis: Freudian School, [Artikel, in Englisch]. ENCYCLOPAEDIA BRITANNICA, 13. Aufl., London 1926.
1927a

Nachwort zur Frage der Laienanalyse (1926e). In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 13 (1927), S. 326-332.
1927b

Nachtrag zur Arbeit über den Moses des Michelangelo (1914b). In: IMAGO, Bd. 13 (1927), S. 552f.
Ein "Nachtrag" zu seiner 1914 erstmalig - anonym - veröffentlichten Schrift "Der Moses des Michelangelo". Sechs Jahre nach diesem "Nachtrag" schrieb Freud über diese nicht-psychoanalytische Schrift an den italienischen Psychoanalytiker Edoardo Weiss: "Durch drei einsame Septemberwochen bin ich 1913 [tatsächlich: 1912] alltäglich in der Kirche vor der Statue gestanden, habe sie studiert, gemessen, gezeichnet, bis mir jenes Verständnis aufging, das ich in dem Aufsatz doch nur anonym auszudrücken wagte. Erst viel später habe ich dies nicht analytische Kind legitimiert."

 

1927c

DIE ZUKUNFT EINER ILLUSION. Wien 1927.
"Die Zukunft einer Illusion" ist eine Psychoanalyse der Religion, in der ihre Funktion innerhalb der Kultur, für die Gesellschaft und für den einzelnen bestimmt wird. Freud definiert die Religion hierbei als "kollektive Zwangsneurose", die den einzelnen vor einer individuellen Zwangsneurose bewahrt. Die "Götter" werden so als Symptome analysierbar, die, indem sie Ersatzbildungen für die kulturell unerwünschten Triebe des Menschen bereitstellen, den für eine Kultur notwendigen Triebverzicht befördern. Die Religion war daher nützlich, aber letztlich hat sie den Menschen ebenso viele Probleme gebracht, wie sie löste. Freud hofft in dieser Schrift noch, die "Illusion" schrittweise durch Wissenschaft und Erkenntnis ersetzen zu können, denn: "Die Stimme des Intellekts ist leise, aber sie ruht nicht, ehe sie sich Gehör verschafft hat."

 

1927d

Der Humor. In: ALMANACH FÜR DAS JAHR 1928. Wien 1927.
In diesem kleinen Aufsatz unternimmt Freud den Versuch den "Humor" vom "Witz" zu unterscheiden: Während im Witz sich vorwiegend das "Es" ausspricht, sodaß dieser etwas Befreiendes in seiner Wirkung hat, ist beim Humor wesentlich das "Über-Ich" beteiligt. Denn im Humor spricht das (sonst meist strafende) "Über-Ich" tröstlich und schützend zu dem eingeschüchterten "Ich". Die Wirkung im Hörer ist so ein Gefühl des Erhabenen und Großartigen, ein Triumph des eigenen Narzißmus. Der Humor ist so eine durch die Vermittlung des "Über-Ich" entstandene Komik.

 

1927e

Fetischismus. In: ALMANACH FÜR DAS JAHR 1928. Wien 1927.
Der "Fetischismus", als eine besondere Form der erotischen Objektwahl, beschäftigte Freud schon länger. In diesem Artikel deutet er die Notwendigkeit seine sexuelle Befriedigung von der Existenz eines bestimmten Fetischs abhängig zu machen als eine besondere Form der männlichen "Verleugnung", die mit einer Spaltung im "Ich" einhergeht. Der Fetischist verleugnet das weibliche Genital, die "Kastration" der Frau, indem er ihr im Fetisch einen Ersatzphallus gibt, die erst die Frau für ihn sexuell "erträglich" macht. Er ist der Triumph über die Kastrationsdrohung durch die symbolische Verleugnung des anatomischen Geschlechtsunterschiedes.

 

1928a

Ein religiöses Erlebnis. In: IMAGO, Bd. 14 (1928), S. 7-10.
1928b

Dostojewski und die Vatertötung. In: DIE URGESTALT DER BRÜDER KARAMASOFF. Hrsg. von René Fülöp-Millerund Fritz Eckstein, München: 1928.
Eine kleinere Auftragsarbeit Freuds zur Psychologie Dostojewskis, die als Einleitung zu einer Sammlung von Vorentwürfen und Skizzen des Autors zu den "Brüder Karamasoff" erschien. Im Zentrum von Freuds Interesse stehen die Epilepsie Dostojewskis und seine Spielsucht. Beide werden als Selbstbestrafung gedeutet, da z.B. die epileptischen Anfälle sofort verschwanden, als Dostojewski im sibirischen Straflager reale Bestrafungen ertragen mußte, und er seiner Spielleidenschaft nicht Herr werden konnte, obwohl sie ihn finanziell zu ruinieren drohte. Ursache seien unbewußte Todeswünsche gegen den Vater.

 

1929a

Ernest Jones zum 50. Geburtstag. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 15 (1929), S. 147f.
1930a

DAS UNBEHAGEN IN DER KULTUR. Wien 1930.
In "Das Unbehagen in der Kultur" entfaltet Freud eines seiner zentralen Themen, den unaufhebbaren Antagonismus zwischen den Forderungen der menschlichen Triebe und den von der Kultur abverlangten Triebverzicht. Die Kultur als notwendige Last, in der es dem Menschen nicht gelingen will, es sich "behaglich" zu machen. Dieses prinzipielle "Unbehagen" kann nicht beseitigt, sollte aber minimiert werden. Denn jeder Triebverzicht hat Grenzen, die, wenn sie durch überzogene Moralvorstellungen überschritten werden, gerade die kulturelle Kontrolle der Triebe verunmöglichen: die unterdrückten Triebregungen brechen sich vermehrt in der Form des "Destruktionstriebes" ihre Bahn. Die kulturelle Beherrschung der Aggressionen schlägt in ihr Gegenteil um, in den von den kulturellen Institutionen organisierten Krieg.

 

1930b

Ansprache im Frankfurter Goethe-Haus. In: PSYCHOANAL. BEWEGUNG, Bd. 2 (1930), S. 421-426.
1931a

Über libidinöse Typen. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 17 (1931), S. 313-316.
Kurze Darstellung dreier nicht-neurotischer "Haupttypen": dem "erotischen", dem "narzißtischen" und dem "Zwangstyp"; sowie einiger Mischformen.

 

1931b

Über die weibliche Sexualität. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 17 (1931), S. 317-332.
Nach "Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds" (1925j) ist dies eine neuerliche Darstellung der Freudschen Theorie der weiblichen Entwicklung der Sexualität. Betont wird hier u.a. die intensive und lang andauernde präödipale Bindung des Mädchens an die Mutter. Auch nachdem sich die Tochter von dieser gelöst hat, bleibt jene primäre Beziehung bis ins Erwachsenenalter prägend. Diese Darstellung der weiblichen Sexualität blieb einer der umstrittensten Punkte in Freuds Theorie.

 

1931c

Das Fakultätsgutachten im Prozeß Halsmann. In: PSYCHOANAL. BEWEGUNG, Bd. 3 (1931), S. 32-34.
1932a

Zur Gewinnung des Feuers. In: IMAGO, Bd. 18 (1932), S. 8-13.
Die kleine Arbeit "Zur Gewinnung des Feuers" erörtert den griechischen Prometheus-Mythos, der vom Feuerraub des Prometheus erzählt, der durch diese Tat zum Stifter der menschlichen Kultur wurde, aber seinen Betrug an den bestohlenen Göttern mit dem Erleiden grausamster Strafen bezahlen mußte. Im Mittelpunkt von Freuds analytischen Überlegungen steht die enge Beziehung zwischen Feuer und Urindrang, die er in den Träumen und Phantasien seiner Patienten finden konnte.

 

1932b

Meine Berührung mit Josef Popper-Lynkeus. In: ALLGEMEINE NÄHRPFLICHT, Bd. 15 (1932); Psychoanal. Bewegung, Bd. 4 (1932), S. 113-118.
1933a

NEUE FOLGE DER VORLESUNGEN ZUR EINFÜHRUNG IN DIE PSYCHOANALYSE. Wien 1933.
1933b

WARUM KRIEG? POURQUOI LA GUERRE? WHY WAR? dreisprachig hrsg. vom Internationalen Institut für geistige Zusammenarbeit am Völkerbund (Institut International de Coopération Intellectuelle), Paris 1933 (Correspondence; Open letters, Bd. 2), S. 25-62.
Öffentlicher Briefwechsel Sigmund Freuds mit Albert Einstein über die Ursachen des Krieges. Initiiert wurde diese Stellungnahme durch die Vereinten Nationen zusammen mit der "Internationalen Kommission für geistige Zusammenarbeit", die Albert Einstein 1933 aufforderte, sich zu einem selbstgewählten Thema eine Person "des geistigen Lebens" auszusuchen, um mit dieser eine briefliche Diskussion zu führen. Einstein wählte Sigmund Freud und stellte diesem die Frage: "Gibt es einen Weg, die Menschen von dem Verhängnis des Krieges zu befreien?" - Einsteins Brief und Freuds Antwort wurden dreisprachig (deutsch, englisch, französisch) veröffentlicht, seine Verbreitung in Deutschland von den offiziellen Stellen verboten.

 

1933c

Sándor Ferenczi. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 19 (1933), S. 301-304.
1935a

Die Feinheit einer Fehlhandlung. In: ALMANACH DER PSYCHOANALYSE 1936. Wien 1935.
1935b

Thomas Mann zum 60. Geburtstag [Brief (April 1935)]. In: ALMANACH DER PSYCHOANALYSE 1936. Wien 1935.
1936a

Brief an Romain Rolland: Eine Erinnerungsstörung auf der Akropolis. In: ALMANACH DER PSYCHOANALYSE 1937. Wien 1936.
1937a

Lou Andreas-Salomé†. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 23 (1937), S. 5.
1937b

Die endliche und die unendliche Analyse. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 23 (1937), S. 209-240.
Die Abhandlung "Die endliche und die unendliche Analyse" ist eine der letzten und vielleicht skeptischste Schrift Freuds zu den therapeutischen Möglichkeiten und Erfolgen der Psychoanalyse. Es ist der Versuch, aus seiner langjährigen Erfahrung mit der analytischen Technik die Grenzen und die Schwierigkeiten des Verfahrens zu bestimmen, alle sich einstellenden Hindernisse zu klassifizieren, um ein realistisch-pragmatisches Verhalten zu propagieren. Denn jede Analyse findet ihr Ende, doch ist das Ideal eines vollkommen Analysierten utopisch. Das "normale" bzw. "gesunde" Ich ist eine Fiktion. Jede Analyse könne nur aktuelle Konflikte behandeln, neue Probleme können später das, was bis dahin nur latent war, plötzlich wieder aktualisieren, sodaß kein Mensch, solange er lebt, sicher sein kann an ein definitives Ende seiner Analyse gekommen zu sein. Freud betont auch, daß die Bedeutung der Psychoanalyse nicht ausschließlich therapeutisch sei: auch nach Beendigung der Therapie gäbe es ein Interesse an der eigenen Analyse. So erfordert etwa die Arbeit des Psychoanalytikers, daß er auch später die analytische Selbstbeobachtung nicht aufgibt, um durch den Einfluß eigener Verdrängungen blind zu werden für die Probleme seiner Klienten.

 

1937c

Konstruktionen in der Analyse. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL., Bd. 23 (1937), S. 459-469.
Eine der wichtigsten Aufgaben des Psychoanalytikers ist es, "Konstruktionen" zu bilden aus den Erinnerungsbrocken, Assoziationen und anderen Äußerungen des Patienten, d.h. aus den präsentierten Anzeichen das verdrängte Vergangene des Analysanden für sich zu rekonstruieren. Diese rekonstruierte Krankheitsvorgeschichte hat er als "Deutungen" diesem - zum richtigen Zeitpunkt - schrittweise mitzuteilen. Falsche Deutungen können dem Patienten nicht schaden, jedoch hat der Psychoanalytiker seine Fehler auch später offen einzugestehen.

 

1938a

Ein Wort zum Antisemitismus. In: DIE ZUKUNFT (Paris) (1938), Nr. 7 (25. Nov.), S. 2.
1939a

Der Mann Moses und die monotheistische Religion: Drei Abhandlungen. Amsterdam 1939.
Die drei Abhandlungen über den "Mann Moses und die monotheistische Religion" veröffentlichte Freud vollständig erst 1938 im englischen Exil, in das er nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich gehen mußte, obwohl zumindest der erste Entwurf schon 1934 fertiggestellt war. Zweifel an den eigenen Argumenten und Ängste wie die im österreichischen "Ständestaat" äußerst mächtige römisch-katholische Kirche auf seine Thesen reagieren würde, hielten ihn vorher ab, die Schrift zu publizieren. Zentrale These ist die Behauptung, Moses wäre kein Jude, sondern ursprünglich ein Ägypter gewesen, der das jüdische Volk aus seiner ägyptischen Gefangenschaft geführt und dieses zum Erben der in Ägypten kurz vorher ausgerotteten monotheistischen Athon-Religion gemacht habe. Moses sei jedoch vom Volk ermordet worden, das sich seiner strengen Religion nicht unterwerfen wollte. Erst die Schuldgefühle lange nach der Tat hätten eine kollektive Reaktion erzeugt, die zum Ursprung einer neuen sozialen Ordnung wurde: der Ordnung des "auserwählten" Volkes der Juden, das den monotheistischen Glauben des ägyptischen Priesters Moses zu dem eigenen gemacht hatte.

 

1940a

Abriß der Psychoanalyse. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL. IMAGO, Bd. 25 (1940), S. 7-67.
Fragment gebliebene kurze, zusammenfassende Darstellung der psychoanalytischen Theorien, wie sie Freud am Ende seines Lebens sah.

 

1940b

Some Elementary Lessons in Psycho-Analysis [Titel in Englisch, Text in Deutsch]. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL. IMAGO, Bd. 25 (1940), S. 21f.
1940c

Das Medusenhaupt. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL. IMAGO, Bd. 25 (1940), S. 105f.
1940d

Die Ichspaltung im Abwehrvorgang. In: INTERNAT. ZSCHR. PSYCHOANAL. IMAGO, Bd. 25 (1940), S. 241-244.
Fragment gebliebene Abhandlung über den "Fetischismus" und dessen gelungenen Versuch durch "Ichspaltung" den Konflikt zwischen innerem Triebanspruch und Einspruch der äußeren Realität abzuwehren. (s. auch seinen Artikel "Fetischismus", 1927e).