SIGMUND FREUD THEMEN

Als Analogie für das Unbewußte wählte Freud im Unbehagen in der Kultur das antike Rom. Dieses psychische Rom, auf das der Analytiker stößt, gleicht bei Freud nicht nur der Stadt in einem bestimmten historischen Augenblick, sondern repräsentiert alle historischen Epochen gleichzeitig an einem einzigen Ort, in einer einzigen Schicht. Die menschliche Psyche gewinnt damit für die Psychoanalyse die Dimensionen eines hyperarchäologischen Raums:
Eros, Sammlung Freud
"Eros"
Griechenland, Hellenistische Periode, aus Myrina, ca. 150-100 v.Chr.
"Nun machen wir die phantastische Annahme, Rom sein nicht eine menschliche Wohnstätte, sondern ein psychisches Wesen von ähnlich langer und reichhaltiger Vergangenheit, in dem also nichts, was einmal zustande gekommen war, untergegangen ist, in dem neben der letzten Enwicklungsphase auch alle früheren noch fortbestehen. Das würde für Rom bedeuten, daß auf dem Palatin die Kaiserpaläste und das Septizonium des Septimus Severus sich noch zur alten Höhe erheben, daß die Engelsburg noch auf ihren Zinnen die schönen Statuen trägt, mit denen sie bis zur Gotenbelagerung geschmückt war, usw. Aber noch mehr: an der Stelle des Palazzo Caffarellli stünde wieder, ohne daß man diese Gebäude abzutragen brauchte, der Tempel des Kapitolinischen Jupiter, und zwar dieser nicht nur in seiner letzten Gestalt, wie ihn die Römer der Kaiserzeit sahen, sondern auch in seiner frühesten, als er noch etruskische Formen zeigte und mit tönernen Antifixen geziert war ... Und dabei brauchte es vielleicht nur eine Änderung der Blickrichtung oder des Standpunktes von seiten des Beobachters, um den einen oder den anderen Anblick hervorzurufen."
Imhotep, Sammlung Freud
"Imhotep"
Ägypten, Späte Periode, 716-332 v.Chr.

Siehe auch:
[ CHRONOLOGIE / 1938 ] [ ARBEITSZIMMER ] [ BEHANDLUNGSZIMMER ]