Neuerwerbung: Nachlass der Freud-Analysandin "Margarethe Csonka"
 



  Margarethe Csonka wurde von ihren Eltern wegen ihrer homosexuellen Neigung zu Dr. Freud geschickt - oder vielmehr, weil sie dabei war, ihren Ruf zu ruinieren durch die kaum verborgene Verliebtheit in Leonie Puttkamer. Diese schöne Dame aus preußischem Adel war berüchtigt für ihre bisexuelle Umtriebigkeit und ihren häufigen Wechsel von Beziehungen, die zur Bestreitung ihres luxuriösen Lebensunterhaltes dienten. Sidonie spielte die psychoanalytische Behandlung mit, um unbehelligt von ihren Eltern ihre Beziehung weiterführen zu können. Tatsächlich empörte sie sich über die "ödipalen" Interpretationen ihres Verhaltens und schrieb sie der "schmutzigen Phantasie des alten Arztes" zu. Weil die Patientin nicht unter dem Leidensdruck eines inneren Konfliktes oder einer Erkrankung stand und auch sonst keine eigene Motivation zur Analyse entwickelte, brach Freud die Behandlung bald ab. Gleichwohl gab sie Anlass zu einer Schrift: "Über die Psychogenese eines Falles weiblicher Homosexualität" (1920), weniger eine Fallgeschichte als ein theoretischer Text, der eine im Zeitkontext liberale Haltung gegenüber Homosexualität bezeugt.

Nach dieser Begegnung bestand ein Zusammenhang von Margarethe Csonkas Biographie mit der Geschichte der Psychoanalyse nur darin, dass beide von denselben politisch-sozialen Katastrophen bestimmt wurden. Wie Freud selbst und die meisten seiner Analysanden gehörte auch Margarethe Csonka dem assimilierten Judentum an. Genau genommen wurde die christlich Getaufte zur "Jüdin" erst durch die rassistische Kategorisierung der Nazis. Noch in der Gemeinschaft der Exilierten identifizierte sie sich nicht mit ihrem Judentum.

Der Foto-Nachlass teilt sich als überlieferte "Bilderzählung" in zwei Gruppen: - einerseits die Alben, welche die offizielle Biographie zeigen, dominiert von Familie, gesellschaftlichen Freundschaften und den innig geliebten Tieren, die ihre treuesten und dauerhaftesten Lebensgefährten waren; - andererseits Einzelfotos, in denen allein und dafür mit umso größerer Sammelfreude die Geschichte der großen Lieben und verehrten Schönheiten aufscheint.

Den Fotos kommt insofern ein besonderer Stellenwert im Leben der Margarethe Csonka zu, als der Bewunderung von Schönheit die stärksten Liebesgefühle entsprangen und an fortdauernder Intimität zerbrachen.