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Loos und die Dietrich für die Freud-Forschung
Es ist "der wesentlichste Nachlass", den das Sigmund-Freud-Museum
je erworben hat: Die komplette Hinterlassenschaft der Analytikerin Eva
Rosenfeld - einer Freundin Anna Freuds und Schlüsselfigur im Wiener
Kultur- und Geistesleben der 1920er-Jahre.
Wien - Es musste ruck, zuck entschieden
werden: Als im Vorjahr der komplette Nachlass von Eva Rosenfeld um 1,8
Millionen Schilling (130.811 Euro) von einem Wiener Antiquariat angeboten
wurde, blieb nicht viel Zeit. "Wir haben gleich signalisiert, dass
der Bund die Hälfte zahlt", berichtet Ministerialrat Peter Seitz
von den Verhandlungen. Wien steuerte umgehend die andere Hälfte bei.
Und so kamen unschätzbare Dokumente in den Besitz des Sigmund-Freud-Museums,
die am Montagabend Ministerin Elisabeth Gehrer und dem Wiener Kulturstadtrat
Andreas Mailath-Pokorny präsentiert wurden: "Es ist der wesentlichste
Nachlass, den wir je erworben haben", freut sich Direktorin Inge
Scholz-Strasser. Insgesamt 300 Dokumente aus dem Leben der Freundin von
Freuds Tochter Anna - und einer Schlüsselfigur des Wiener Kultur-
und Geisteslebens in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts.
So finden sich hier nicht nur Freud-Briefe, jeweils zwischen 7000 und
22.000 Euro wert. Sondern auch Briefe von Gerhart Hauptmann, eine Notiz
von Marlene Dietrich, ein Album mit Fotos von Lilli Palmer. Wie auch unzählige
Bilder von Hauptmann, Oskar Kokoschka, Alfred Dreyfus, Willi Brand, Eleonora
Duse, Vaclav Nijinsky, Marlene Dietrich, Laurence Olivier und Adolf Loos.
Die Hietzinger Schule
Dazu Dokumente von der "Hietzinger Schule", die die Nichte der
legendären französischen Sängerin Yvette Guilbert im Jahr
1927 gemeinsam mit Anna Freud und Dorothy Burlingham gegründet hatte.
Diese privat geführte und von Adolf Loos eingerichtete Schule war
die erste, in der Kinder ohne Klasseneinteilung Projektunterricht erhielten.
Und zwar von analytisch geschulten Lehrern.
Der Ankauf dieses Nachlasses war allerdings erst der Anfang: "Er
muss jetzt aufgearbeitet und systematisch erforscht werden", betonte
Gehrer. Von der Nationalbibliothek kommen die ersten dafür notwendigen
7267 Euro - in Summe seien für diese Arbeit 18.000 bis 36.000 Euro
notwendig, erklärte Scholz-Strasser. Jetzt werden auch Privatsponsoren
gesucht.
Und zu Gehrer und Mailath-Pokorny, die wechselweise von der guten Zusammenarbeit
(in dieser Sache) und der Unterstützung des Freud-Museums "im
Rahmen der Möglichkeiten" sprachen: "Ich kann mir noch
einen größeren Rahmen und mehr Möglichkeiten vorstellen."
Schließlich soll 2006 dem 150. Geburtstag Sigmund Freuds entsprechend
gedacht werden: "Darüber sollte man schon jetzt nachdenken",
so Scholz-Strasser. (frei)
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© DER STANDARD,
30. Jänner 2002
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