Zu Emma Eckstein und der Kontroverse um ‚Trauma versus Konflikt'

Vortrag von Christine Diercks

Sigmund Freud Museum, 21. April 2016, 20:00 Uhr

Eintritt frei, Anmeldung: veranstaltung@freud-museum.at

 

Sigmund Freud war in der Behandlung von Hysterie-Patientinnen zunächst davon ausgegangen, dass diese als Kinder von Erwachsenen sexuell verführt worden waren. Seine Hoffnung, damit das Rätsel der Hysterie gelöst zu haben, musste er bald wieder aufgeben, doch gewann er dafür eine neue Erkenntnis: Den Berichten seiner Patientinnen liege nicht eine historische Wahrheit zugrunde, sondern sie seien Ausdruck von Phantasien, die auf infantilen Triebregungen und Wunschvorstellungen gründeten. Für die Neurose, so erkannte Freud, ist die psychische Realität bedeutsamer als die materielle – eine für die Psychoanalyse konstitutive Einsicht. In seinem Briefwechsel mit dem Berliner HNO-Arzt Wilhelm Fließ ist diese Entwicklung nachzulesen: „Ich glaube an meine Neurotica nicht mehr“, so heißt es in einem Brief vom September 1897.

In dieser Entstehungszeit der Psychoanalyse war Emma Eckstein (1865–1924), spätere Publizistin, Kinderbuchautorin und Frauenrechtlerin, zur Kur bei Freud. In die Geschichte der Psychoanalyse ging sie als eine der ersten PatientInnen ein, die mit seiner gerade in Entwicklung begriffenen Methode behandelt wurden. Freud überwies Eckstein gleichzeitig auch an Fließ, der bei der Ätiologie von Neurosen von physiologischen Zusammenhängen zwischen Nase, Masturbation, Magenschmerzen und Menstruationsbeschwerden ausging und deshalb an ihr eine Operation an der Nase vornahm, die zu lebensgefährlichen Komplikationen führte. Erst 1985, mit der ungekürzten Veröffentlichung von Freuds Briefen an Wilhelm Fließ, wurde dieser Vorfall bekannt. Daran entzündete sich eine heftige Kontroverse, die an eine bis heute aktuelle Frage rührt: Was und vor allem wer ist für die Entstehung psychischer Störungen verantwortlich und was folgt daraus?

Christine Diercks, Fachärztin für Psychiatrie, Psychoanalytikern (WPV/IPA) in freier Praxis, Lehranalytikerin, Vorsitzende der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung  (2005-2008, 2013-2015). Veröffentlichungen zu Klinik, Theorie und Institutionsgeschichte der Psychoanalyse, Leitung der digitalen freud-edition.net.

 

Eine Veranstaltung im Rahmenprogramm der Ausstellung "Das ist das starke Geschlecht." Frauen in der Psychoanalyse

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