Publikationen und Projekte

p[ART] – Partnerschaften zwischen Schulen und Kultureinrichtungen

Das Sigmund Freud Museum bietet Jugendlichen einen außerschulischen Lernort mit besonderen Rahmenbedingungen sowohl für historisches Lernen als auch für gegenwärtige Themen. Seit Sommersemester 2015 unterhält das Sigmund Freud Museum im Rahmen der Förderschiene „p[ART] – Partnerschaften zwischen Schulen und Kultureinrichtungen“, gefördert von Kulturkontakt Austria, eine Schulpartnerschaft mit der BHAK 22. Die Zusammenarbeit erstreckt sich über einen Zeitraum von insgesamt drei Jahren. Unter Einsatz von unterschiedlichen Arbeits- und Vermittlungsformen werden  die SchülerInnen in das Leben und Werk Sigmund Freuds, in zentrale Themen seines Werkes sowie in die Aufgaben der Kultureinrichtung ‚Museum‘ eingeführt und realisieren ein gemeinsames Abschlussprojekt im dritten Jahr.

Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie

Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie
Bild: Arnulf Rainer

 Sigmund Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1905). Mit einem Kommentar von Philippe van Haute und Herman Westerink, Vienna University Press 2015 (Sigmund Freuds Werke. Wiener Interdisziplinäre Werke 2).

In seinen Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie von 1905 entwickelt Sigmund Freud eine höchste originelle Theorie der Sexualität, indem er u.a. die menschliche Existenz aus der Perspektive der Psychopathologie (Hysterie) versteht. Freud überarbeitete den Text während seiner Karriere vier Mal, wobei viele revolutionäre Ansätze aus der Erstfassung von späteren Einsichten überlagert wurden. In Herman Westerinks und Philippe van Hautes Kommentar wird das ursprüngliche Potenzial des Textes herausgearbeitet und in seiner Relevanz für die gegenwärtige psychoanalytische und psychiatrische Theoriebildung dargestellt.

 

PAUL VERHAEGHE: Narziss in Trauer. Das Verschwinden des Patriarchats

Vortrag am Sigmund Freud Museum Wien

Aus dem Englischen von Sergej Seitz, erschienen in Deutsch und Englisch

»Narcissus in Mourning« wurde 2014 als Vortrag im Wiener Sigmund Freud Museum gehalten
 
 
Eine Methode, einen Begriff zu verstehen, ist die Gegenüberstellung mit seinem Gegenteil. Für den Psychoanalytiker Verhaeghe bildet Narzissmus den Gegenpol zu Melancholie. Narzissmus bedeutet Vollständigkeit und Omnipotenz und greift zurück auf die Identifikation mit der allmächtigen Mutter. Allmächtig deshalb, weil sie dem Kind alles geben kann, was es benötigt. Während der ödipalen Phase löst sich diese Identifikation auf. Melancholie resultiert aus Verlust und Hilflosigkeit.

Das Scheitern der ursprünglichen Allmachtsfantasie ist das unvermeidbare Scheitern des Vaters und der ihm zugeschriebenen Sicherheit – tatsächlich gibt es keine wie auch immer geartete endgültige phallische Garantie. Eine typische neurotische Reaktion ist folglich die endlose Suche nach einem Ersatz, das Erschaffen einer Reihe von imaginären Vaterfiguren. Dies führt zu einem sekundären Narzissmus und bleibt innerhalb der Grenzen des phallischen Denkens.

Wir sind es gewohnt, diese Ideen auf der Ebene des Individuums zu interpretieren – das Kind mit seinen Eltern, der Ödipuskomplex usw. Als Freud seine Texte »Zur Einführung des Narzissmus« und »Trauer und Melancholie« schrieb, ereignete sich dieser Konflikt auf globaler Ebene. Der Erste Weltkrieg erschütterte den phallischen Narzissmus auf brutale Art und Weise, worauf eine Phase des allgemeinen Trauerns folgte: Trauer über den Verlust des Vaters: des Vaters. Nach Verhaegehe kündigte diese Trauer das Ende des Patriarchats bzw., mit anderen Worten, das Ende traditioneller Autorität an. Dies zwingt uns, das Konzept der Autorität als solches zu überdenken.

Biographisches:
Paul Verhaeghe, PhD, ist ordentlicher Universitätsprofessor an der Universität Gent und hat den Lehrstuhl für Psychoanalyse und Beratungspsychologie inne. Er hat acht Bücher und über zweihundert Aufsätze veröffentlicht. Seit 2000 liegt sein Forschungsschwerpunkt auf dem Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen auf psychologische und psychiatrische Störungen. In seiner jüngsten Publikation Identiteit (auf Deutsch: Und Ich? München: Kunstmann 2013) legt er den Einfluss des Neoliberalismus auf unsere Identität dar. Seit Kurzem setzt er sich mit einem neuen Forschungsgebiet auseinander: patriarchale Autorität und ihr Verschwinden. Persönliche Homepage mit Downloads: http://paulverhaeghe.psychoanalysis.be/index.html.

JUDITH BUTLER: Politik des Todestriebes. Der Fall Todesstrafe

Sigmund Freud Vorlesung 2014

Hg. vom Sigmund Freud Museum Wien und aka, Arbeitskreis Kulturanalyse Wien
Aus dem Amerikanischen von Gerald Posselt und Sergej Seitz
»Politics of the Death Drive: The Case of the Death Penalty« wurde für die Sigmund Freud Vorlesung 2014 in Wien verfasst

 

 
 
»Gerade weil wir zerstören können, sind wir dazu verpflichtet, es nicht zu tun.« (Judith Butler)

Anhand von Derridas spätem Seminar über die Todesstrafe zeichnet Butler dessen Fokus nach, dass Gegner der Todesstrafe nicht weniger Nietzsches »Fest der Grausamkeit« beiwohnen als dessen Befürworter. Sigmund Freuds Theorie in »Jenseits des Lustprinzips« ermöglicht es aber darüber hinaus, die soziale Institutionalisierung sadistischer Lust durch eine rechtliche und moralische Sprache zu begreifen. Es geht um die Rationalisierung institutionalisierter Destruktivität – eben etwa der Todesstrafe, die als Selbstverteidigung nicht länger rationalisiert werden kann.

Biographisches:
Judith Butler ist Professorin für Rhetoric and Comparative Literature und Ko-Direktorin für das Programm Critical Theory an der University of California, Berkeley.
Gerald Posselt und Sergej Seitz unterrichten am Philosophischen Institut der Universität Wien.
Die Pubikation entsteht in Zusammenarbeit mit dem Sigmund Freud Museum Wien und aka, Arbeitskreis Kulturanalyse Wien.
 
 
Sammelband Psychoanalysis, Monotheism and Morality. The Sigmund Freud Museum Symposia 2009-2011.
Sammelband Psychoanalysis, Monotheism and Morality. The Sigmund Freud Museum Symposia 2009-2011.

Sammelband Psychoanalysis, Monotheism and Morality. The Sigmund Freud Museum Symposia 2009-2011.

Herausgegeben von Wolfgang Müller-Funk, Inge Scholz-Strasser, Herman Westerink. Unter Mitarbeit von Daniela Finzi, Leuven University Press 2013 (Figures of the Unconscious 12).

Renommierte Psychoanalyse-Expert/innen unterziehen in diesem Sammelband das Spannungsfeld von Psychoanalyse und Religion einer kritischen Untersuchung. Die Frage, ob und in welchem Ausmaß Monotheismus in semantischer und struktureller Hinsicht psychoanalytischen Einsichten entspricht, wird kontrovers beantwortet. Manche Beiträge bringen traditionelle Religionskritik des Freudianismus mit späteren religionsphilosophischen Theorien über – beispielsweise – Weiblichkeit zusammen. Um die Beziehung zwischen Psychopathologie und Moral zu beleuchten, gehen andere Beiträge von der Freudschen Prämisse aus, dass psychopathologische Phänomene einem Vergrößerungsspiegel gleich Aspekte oder Mechanismen der menschlichen Psyche, die unsere Subjektivität und als solche auch unsere moralischen Fähigkeiten und Verhalten konstituieren, zeigen.

Wolfgang Müller-Funk ist Professor für Kulturwissenschaft am Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft (Universität Wien) und Forschungskoordinator seiner Fakultät.

Inge Scholz-Strasser ist Vorsitzende der Sigmund Freud Privatstiftung and Direktorin des Sigmund Freud Museums in Wien.

Herman Westerink ist Privatdozent am Institut für Praktische Theologie und Religionspsychologie der Evangelisch-Theologischen Fakultät, Universität Wien.

Beiträge von:

Andreas De Block (University of Leuven), Fethi Benslama (University of Paris Diderot), Sergio Benvenuto (ISTC, Rome), Gohar Homayounpour (Shahid Beheshti University, Tehran), Felix de Mendelssohn (Sigmund Freud University, Vienna), Julia Kristeva (University of Paris Diderot), Lode Lauwaert (University of Leuven), Siamak Movahedi (University of Massachusetts), Wolfgang Müller-Funk (University of Vienna), Gilles Ribault (University of Paris Diderot), Céline Surprenant (University of Sussex), Inge Scholz-Strasser (Sigmund Freud Foundation), Herman Westerink (University of Vienna), Joel Whitebook (Columbia University), Moshe Zuckermann (Tel Aviv University)

ForMuse-Projekt „Berggasse 19: Ein Archiv als Museum, eine Bibliothek als Gedenkstätte“

Im Rahmen des vom bmwf und FWF initiierten Förderprogramms forMuse bewarb sich die Sigmund Freud Privatstiftung im April 2010 erfolgreich mit dem Projektantrag „Berggasse 19: Ein Archiv als Museum, eine Bibliothek als Gedenkstätte“. Das ursprüngliche Ziel des Projektes – das Verfassen eines Strategiepapiers zu einer Synergie von Archiv, Museum und Bibliothek der Berggasse 19 – entwickelte sich im Laufe der Projektlaufzeit (1.1.2011 – 30.6.2011) hin zur Konzeptualisierung einer Neugestaltung des Sigmund Freud Museums. Für das Projekt konnten vier externe Expert/innen gewonnen werden: Martin Guttmann (Künstler und Univ.Prof. Akademie der Bildenden Künste Wien), Bettina Habsburg-Lothringen (Leiterin Museumsakademie Joanneum Graz), Alexander Klein (Sozialhistoriker und freier Ausstellungskurator, Dresden) und Rainer Metzger (Professor für Kunstgeschichte an der Kunstakademie Karlsruhe).

 Für jegliche Umgestaltung des Sigmund Freud Museums gilt es, der Heterogenität des Hauses Berggasse 19 und ihren Besonderheiten in

  • ideeller („Wiege der Psychoanalyse“; Zentrum von Freuds Berufs- und Privatleben von 1891 – 1938)
  • materieller (größte europäische Forschungsbibliothek zur Psychoanalyse; Archivbestände, die sowohl den Nachlass der Familie Freud wie auch namhafter internationaler Psychoanalytiker/innen umfassen) und
  • topographischer Hinsicht (Gründerzeitwohnung, deren heutige Nutzung als Museum nicht der ursprünglichen Nutzung als Privatwohnung und Ordination entsprach) gerecht zu werden.

 Ergebnisse des Forschungsprojektes finden Sie hier.

Wissen im Druck. Die Layout-Strategien des „Internationalen Psychoanalytischen Verlags“

Aufbauend auf die Erstellung der Objektdatenbank zu den Beständen der Sigmund Freud Privatstiftung 2008 wurde in diesem ergänzenden Projekt das Hauptaugenmerk auf die Bestände des Internationalen Psychoanalytischen Verlags gelegt. Das Projekt erforscht aus einer buch- und medienhistorischen ausgerichteten Perspektive die Strategien der Szientifizierung und deren Modifikationen ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Fragestellung, ob und inwiefern druckgrafische Merkmale, die sich vor allem um 1900 entwickelt haben, als Bedingungen wissenschaftlicher Produktivität verstanden werden müssen, wurde in einer Fallstudie nachgegangen. Sie beschäftigte sich mit den Layout-Strategien des Wiener „Internationalen Psychoanalytischen Verlags“ (IPV). Auf der Grundlage der Arbeiten von Murray Hall und Lydia Marinelli wurde dieses Unternehmen als Medienverbund erforscht, der nicht nur für die Geschichte der Psychoanalyse und damit für Wien von zentraler Bedeutung gewesen ist, sondern auch in exemplarischer Weise eine Verschiebung in der Genesis und Geltung wissenschaftlicher Diskurse in der Moderne anzeigt.

Grundlage für das Projekt sind die originalen Produkte des IPV, die heute in unterschiedlichen Archiven und Sammlungen aufbewahrt werden. Die im Sigmund Freud Museum aufbewahrte Sammlung stellt weltweit gesehen einen einmaligen Bestand dar, dessen Auswertung für eine erfolgreiche Bearbeitung der aufgeführten Fragestellung unerlässlich ist. Dazu wurden zunächst die relevanten Archivalien gesichtet, sortiert und, soweit nicht erfasst, katalogisiert. Ergänzend wurden die Nachlässe von Richard Sterba, die Materialen zu Adolf Josef Storfer und weitere Freud-Materialien in die Forschungsthematik integriert. Anschließend wurden die Ergebnisse in Form einer wissenschaftlichen Publikation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel des Projektes war es, eine Gesamtschau aller Archive mit IPV-Beständen herzustellen. Die Bestände des Sigmund Freud Museums sind neben weiteren Beständen psychoanalytischer Institutionen in Wien dafür von zentraler Bedeutung. (Konzept: Christoph Windgätter)

Overconfidence bei Marktteilnehmern - eine psychologische Studie über Anlegerverhalten

Dr. Thomas Oberlechner, Psychology Department Head der Webster University, Vienna, untersucht unter Mitarbeit von Carol Osloer von der Brandeis University (Waltham, Massachusetts) das Phänomen der Overconfidence in einer empirischen Studie unter US-amerikanischen Wertpapierbrokern.

Overconfidence (übergroßes Selbstvertrauen) wird am Finanzmarkt mit einer Reihe von Phänomenen in Verbindung gebracht: Blasenbildungen in der Entwicklung von Marktverläufen sind ebenso ein Beispiel wie die Beobachtung, dass Privatinvestoren in der Regel zu aktiv handeln und es allzu große Volatilitäten in Aktienpreisen gibt. Aus der psychologischen Forschung gibt es Hinweise darauf, dass menschliche Overconfidence besonders stark in jenen Situationen ist, in denen es schwer fällt, genaue Urteile zu fällen. Gerade dieses Merkmal kennzeichnet aber die Entscheidungen in Finanzmärkten, wo Vorhersagen in der Regel nur mit Wahrscheinlichkeiten getroffen werden können, die nahe am Zufall liegen. Die von PMA-Hottinger in Auftrag gegebene Studie wird derartiges Verhalten mit empirischen Daten belegen und soll die Möglichkeit schaffen, Overconfidence in die Marktbeobachtung einfließen zu lassen.

Die Sigmund Freud Privatstiftung empfahl Dr. Oberlechner als Projektleiter und war an der Entwicklung des Forschungsauftrags beteiligt. Sie fungiert im laufenden Arbeitsprozess als Organisationsplattform und Schnittstelle zwischen PMA Hottinger und den Wissenschaftlern.

Die Sigmund Freud Privatstiftung organisierte die Auftaktveranstaltung der Zusammenarbeit am 29.11.2007 im Sigmund Freud Museum und bereitet die abschließende Präsentation vor, zu der Diskutanten aus dem In- und Ausland eingeladen werden. Die Herstellung einer gedruckten Projektdokumentation für die Kunden von PMA Hottinger wird ebenfalls durch die Sigmund Freud Privatstiftung abgewickelt.

PADD (Psychoanalytic Document Database)

Das im Oktober 2004 gestartete EU-Projekt PADD wurde im September 2005 abgeschlossen. Nach dieser ersten Projektphase, die von der EU zur Hälfte finanziert wurde, wird PADD von der Sigmund Freud Privatstiftung weiterbetrieben, gepflegt und ausgebaut.

Der Inhalt des EU-Projektes PADD ist der Aufbau einer europaweiten webbasierten Katalog- und Wissensdatenbank, die Primärquellen zur Geschichte der Psychoanalyse, wie Briefe, Werkmanuskripte, Photographien und sonstige Dokumente von Sigmund Freud und anderen Psychoanalytikern in einer wissenschaftlichen Kriterien genügenden und gleichzeitig benutzerfreundlichen Form auf einer Website präsentiert. Weiters sind auf dieser Website in einer Wissensdatenbank Informationen zu Leben und Werk von Psychoanalytikern und Psychoanalytikerinnen sowie ausführliche Bibliographien der jeweiligen Primär- und Sekundärliteratur zu finden.

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