Objekt des Monats: September

Brief an Paul Federn

 
Am Mittwoch, 3. Mai 1905 um 20:30 Uhr fand sich wie gewohnt bei Zigarre und schwarzem Kaffee ein kleiner Kreis in der Berggasse 19 zusammen, um das neue Forschungsgebiet der Psychoanalyse zu diskutieren. Die an jenem Abend versammelten Mitglieder der so genannten Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft verfassten für ihren Kollegen – namentlich nicht genannt, aber sehr wahrscheinlich Paul Federn – eine Glückwunschnachricht zu dessen kürzlich erfolgter Hochzeit: Ende April hatte der Arzt und Sozialdemokrat Federn Wilma Bauer geehelicht.

Der Gratulationsbrief ist auch insofern interessant, als daraus hervorgeht, dass David Josef Bach und Adolf Häutler, die bislang erst ab 1906 – Beginn der Protokollführung und nachweislichen Aufzeichnung der Mitglieder – der Mittwoch-Gesellschaft hinzugezählt werden, bereits im Jahr 1905 an den Treffen teilnahmen.

 

[Alfred] Adler
[Adolf] Häutler
[Max] Kahane
Max Graf
Dr. Wilhelm Stekel
D[avid Josef] Bach
Dr Freud
schicken ihrem
lieben Collegen
der sich in kurzer
Zeit die Sympathien
des Kreises erworben
hat, die herzlichsten
Glückwünsche zu seiner
Vermä[h]lung in seine frühere
Wohnung da sie seinen gegen-
wärtigen Aufenthalt nicht kennen.

 

Die 1902 von Sigmund Freud, Wilhelm Stekel, Alfred Adler, Rudolf Reitler und Max Kahane gegründete Psychologische Mittwochsgesellschaft wurde 1908 in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung (WPV) umgewandelt; 1910 erfolgte die offizielle Vereinsgründung. In dieser Form bestand die WPV bis zu ihrer Auflösung im März 1938. Im April 1946 nahm sie ihre Arbeit wieder auf und besteht als größter psychoanalytischer Verein Österreichs bis heute.

Paul Federn, der 1903 Mitglied der Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft wurde, war einer von Freuds ersten und loyalsten Schülern. Er interessierte sich insbesondere für die Anwendung der Psychoanalyse auf die Sozialarbeit und die Ich-Psychologie. Einer der ersten Angehörigen der Mittwochsgesellschaft, versah er in der späteren WPV das Amt des Rechnungsprüfers und fungierte in der letzten Dekade der Vereinigung auch als Vizepräsident. 1938 musste er, wie viele andere Wissenschaftler jüdischer Abstammung, emigrieren. Er verstarb 1950 in New York.

 
 
Foto: Brief Freud an Paul Federn (c) Sigmund Freud Privatstiftung
 

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