Felix de Mendelssohn (1944 - 2016)

Felix de Mendelssohn – Psychoanalytiker, Gruppenanalytiker, Mentor und Freund – zĂ€hlte seit April 2006 zum Beirat der Sigmund Freud Privatstiftung und prĂ€gte in dieser Funktion das wissenschaftliche Profil der Berggasse 19 als interdisziplinĂ€re Plattform wesentlich. Der Dialog mit anderen Disziplinen aus Wissenschaft und Kunst war dem international praktizierenden Lehranalytiker ein ausgesprochenes Anliegen. Dementsprechend waren die Themen und Formate der von und mit Felix de Mendelssohn konzipierten Veranstaltungen vielschichtig und breit gefĂ€chert, ihr gemeinsamer Nenner nichtsdestotrotz leicht auszumachen: psychoanalytische Kulturkritik.

Ein „offener Blick und das Aushalten der GegensĂ€tze“ sei sowohl fĂŒr die psychoanalytische Kulturkritik wie fĂŒr die eigene Selbstanalyse wesentlich, schrieb er in seinem 2010 erschienenen Buch Die Gegenbewegung der Engel, Psychoanalytische Schriften zu Kunst und Gesellschaft. So bildeten die individuelle SubjektivitĂ€t und die SubjektivitĂ€t der psychoanalytischen Erfahrung stets auch eine zentrale Grundlage der GesprĂ€che und Diskussionen mit ihm, ebenso wie sie seine VortrĂ€ge und vielfach publizierten Texte fundierten.

In Form dialogischer GesprĂ€chsveranstaltungen prĂ€sentierte Felix de Mendelssohn seine Publikationen in der Berggasse 19: im Februar 2011 gemeinsam mit Franz Schuh den bereits erwĂ€hnten Band Die Gegenbewegung der Engel; im Oktober 2014 mit Mara Mattuschka sein Buch Der Mann, der sein Leben einem Traum verdankte. Ein Traumforscher erzĂ€hlt. Als Autor poetischer Texte konnte man ihn im September 2015 im Rahmen der performativen Lesung TierFREUDen gemeinsam mit Maria Temnitschka und Karin Seidner erleben. Und erst im Juni 2016 diskutierte er, der LebenskĂŒnstler, gemeinsam mit Walter Famler anlĂ€sslich des Erscheinens seines Essays Über den Zerfall, dem er folgende Zeilen eines Rilke-Gedichtes vorangestellt hatte: „Und wir: Zuschauer, immer, ĂŒberall, / dem allen zugewandt und nie hinaus. / Uns ĂŒberfĂŒllt’s. Wir ordnens. Es zerfĂ€llt. / Wir ordnens wieder und zerfallen selbst.“

Im Rahmen von Podiumsdiskussionen unter Beteiligung der Sigmund Freud Privatstiftung nahm Felix de Mendelssohn an „Fremd sein in Österreich“ (Oktober 2007), „Unheimlich Hoffmann“ (Dezember 2007), „Die Errettung der modernen Seele“ (Oktober 2010), „Freud auf HebrĂ€isch“ (Mai 2013) sowie am Workshop „Politisches Trauma und Aufarbeitung“ (MĂ€rz 2013) teil. Als Vortragender trat Felix de Mendelssohn im September 2006 im Sigmund Freud Museum anlĂ€sslich des 70. Todestages von Sigmund Freud mit AusfĂŒhrungen ĂŒber „Psychoanalyse als weltliche Religion“ in Erscheinung; im Rahmen der von ihm mitkonzipierten internationalen Tagung „Die Macht der Monotheismen“ sprach er im Oktober 2009 ĂŒber „‘Many dark emotional forces ... but also a clear consciousness of the same internal psychic structure...‘ Freud‘s Creation and the Jewish Tradition“. Im Juni 2014 als Vertreter des Sigmund Freud Museums an der UniversitĂ© d’Alger 2 und an der österreichischen Botschaft in Algerien zu Gast, hielt er VortrĂ€ge ĂŒber „Mondialisation et DĂ©veloppement de la Psychanalyse“ sowie „Questions actuelles de la psychanalyse“. Die Erfahrungen, EindrĂŒcke und Assoziationen dieser Algerien-Reise sind unter dem Titel „Freud and the Djinns. Doing Analysis in Algeria“ im Sammelband Geographies of Psychoanalysis. Encounters between Cultures in Tehran, der von seiner italienischen Kollegin Lorena Preta 2015 herausgegeben wurde, nachzulesen.

Felix de Mendelssohn konzipierte gemeinsam mit Lorena Preta und Daniela Finzi die kommende Konferenz „The Dislocated Subject“, die am 20. und 21. Oktober 2016 im Sigmund Freud Museum stattfinden wird. Ihm, der so vielen Menschen, wie seine Kollegin Gohar Homayounpour so treffend geschrieben hat, „Zentriertheit“ („centeredness“) verliehen hat, sei diese Konferenz gewidmet.

 

In Gedanken bei seiner Familie und seinen FreundInnen erinnern wir uns in tiefer Trauer und Dankbarkeit an Felix de Mendelssohn – an sein Engagement fĂŒr Kultur und Menschlichkeit, an seine umfassenden psychoanalytischen FĂ€higkeiten, an seinen Humor, an seine stets wohlwollende UnterstĂŒtzung und an seine GroßzĂŒgigkeit. Er verstarb am 7. Oktober 2016 nach kurzer schwerer Krankheit in Wien.

 

Im Namen des Beirats der Sigmund Freud Privatstiftung und des Teams des Sigmund Freud Museums

Der Vorstand der Sigmund Freud Privatstiftung

 

 

Peter Nömaier                        Monika Pessler                                   Daniela Finzi

 

Am 5. November 2016 wird Felix de Mendelssohn mit einem Fest im Sigmund Freud Museum gefeiert und erinnert.

 

ZurĂŒck

Currently closed.

TÀglich geöffnet (Montag - Sonntag)
10:00 - 18:00 Uhr

Kommende Events
November 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30      
« Okt    
Anreise

Adresse:

Berggasse 19
1090 Wien

U-Bahn:

U2 Schottentor, U4 Roßauer LĂ€nde

Straßenbahn

D Schlickgasse, 37, 38, 40, 41, 42 Schwarzspanierstraße

Bus:

40 A Berggasse

Kommende Events
November 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30      
« Okt    
Currently closed.

TÀglich geöffnet (Montag - Sonntag)
10:00 - 18:00 Uhr

Anreise

Adresse:

Berggasse 19
1090 Wien

U-Bahn:

U2 Schottentor, U4 Roßauer LĂ€nde

Straßenbahn

D Schlickgasse, 37, 38, 40, 41, 42 Schwarzspanierstraße

Bus:

40 A Berggasse