Ernesto Neto: "Tractatus |Deuses"
 







Die Arbeit, die ich nun für die Ausstellung im Freud Museum mache, beruht auf einer ersten Vision [...] unterwegs mit meinem Auto auf der Autobahn in südlicher Richtung nach Rio de Janeiro, gerade nach Sonnenuntergang [...]. Das erste, was ich vor mir sah, als ich vom Freud Museum hörte, war eine Person in einer Position auf einem Diwan, zwei Teile ihrer Seele verbunden mit einem doppelten Seidenkokon, eine Haut innen, die andere um sie herum, eines für ihr Bewusstes und eines für ihr Unbewusstes [...]. Kehren wir zurück zu unserer Tractatus Skulptur, so haben wir den Körper in die Mitte eines psychologischen Reaktors platziert, mit der Energie des Bewussten und des Unbewussten, [...] beide fließen in unterschiedliche Richtungen in die Unendlichkeit und kommen an unterschiedlichen Orten an. Es gibt allerdings eine gegenseitige Verbindung bei diesem fließenden Übergang, der Fluss zu etwas Symbolischem, das außerhalb unseres Kokon "Cube" Reaktors ist und das ich ID-IDeus(a)s* nenne: Ich glaube nicht, dass dies außerhalb von uns ist, aber jenseits aller Wissenschaft gibt es etwas Unberührbares für uns.
Ernesto Neto 2005

* Deus: Gott
* Deusas: Mehrzahl weiblich, Götter, in portugiesisch, ist, soweit ich weiss, ein männliches Wort, aber ich glaube die maskuline Form wäre Deusos; vielleicht war in der Vorzeit die Vorstellung von Gott geschlechtslos