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Sigmund Freud-Museum in Kooperation mit der Österreichischen Nationalbibliothek,
22.10.1999-6.2.2000
Kuratorin
Lydia Marinelli
"Wie denn das Kino überhaupt keine kleine Rolle für uns
spielt - worüber ich nicht erst jetzt nachdenklich geworden bin."
Lou Andreas-Salomé nach einem Kinobesuch, 1913
Als Methode zur Erforschung seelischer Prozesse, die das Verhältnis
des modernen Menschen zu sich selbst neu beschrieb, fand die Psychoanalyse
rasch Eingang in ein populäres Medium, das so jung war wie sie selbst
- den Film. Sie, die sich so wie das Kino mit den Phantasien der Menschen
beschäftigt, lieferte Folien für neue Filmhelden und -handlungen.
Inspiriert von ihrer erscheinen verdichtete Traumbilder, Assoziationstechniken,
verräterische Fehlleistungen, ödipale Situationen und traumatische
Konstellationen auf der Leinwand. Vor allem die filmische Populärkultur
übersetzte Methoden und Begriffe der Psychoanayse ins Alltagswissen.
Trotz der vielen Überschneidungen von filmischen und psychoanalytischen
Erkenntnisformen im Spielfilm gibt es nur einige wenige Dokumentarfilme,
die die frühen Psychoanalytiker vor der Kamera zeigen. Ein solches
Dokument ist der Film "Sigmund Freud, His Family and Colleagues,
1928-1947".
Der in Rußland geborene amerikanische Analytiker Philip R. Lehrman
kam 1928 mit seiner Familie nach Wien, um bei Freud seine analytische
Ausbildung zu vervollständigen. Mit einer 16-mm Kamera dokumentierte
er als passionierter Amateurfilmer seine Reise und machte Aufnahmen in
Berlin, Wien und Paris. So hielt er Szenen aus Ernst Simmels Berliner
Sanatorium, wo Freud im Herbst 1928 behandelt wurde, der Pariser und der
Wiener Psychoanalytischen Vereinigung fest. In dieser "analytischen
Familie" durfte auch die Familie Freud nicht fehlen, die ebenfalls
zu sehen ist. Lehrman, der das Filmen ironisch als seine Symptomhandlung
und als Teil seiner Analyse bei Freud bezeichnete, begann in den 50er
Jahren das Material zu bearbeiten, seine Tochter Lynne Lehrman Weiner
stellte den Film fertig. Dieser verwebt ein Stück Geschichte der
psychoanalytischen Bewegung mit einer privaten Reise und wirft ein Licht
auf die "familiäre" Beziehung von Psychoanalyse und Kino.
Philip R. Lehrman, 1895-1958, geboren in Rußland, kam 1905 in die
USA, studierte dort Medizin und eröffnete 1919 eine psychiatrische
Praxis in New York. Im selben Jahr begann er seine psychoanalytische Ausbildung
bei Abraham A. Brill. 1928 kam er für ein Jahr nach Wien, um bei
Freud eine Analyse zu machen. Neben einführenden Arbeiten zur Psychoanalyse
veröffentlichte er Studien zur Kinderanalyse. Er verstarb 1958 in
New York.
Lynne Lehrman Weiner arbeitete für verschiedene Zeitungen in den
USA und Human Rights Organisationen, sie lebt in New York.
Eine Begleitausstellung zu dem 50minütigen Film dokumentierte die
1928/29 aufgenommenen Personen und stellte die Gezeigten als Protagonisten
der vielstimmigen psychoanalytischen Bewegung vor.
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