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Das Sigmund
Freud-Museum stellt regelmäßig Wechselausstellungen zusammen.
Sie ermöglichen es, den Blick über die auf Sigmund Freud konzentrierte
Schausammlung hinaus in andere Kontexte zu lenken. Der Schwerpunkt der Ausstellungstätigkeit
liegt einerseits auf den kultur- und wissenschaftshistorischen Linien der
Psychoanalyse und verwandter Gebiete, andererseits auf den künstlerischen
Erkundungen von Themen, die in Verbindung mit dem psychoanalytischen Denken
stehen.
Joseph Kosuth "Ansicht der Erinnerung"
1. Mai 2002 bis November 2003
Das Sigmund Freud-Museum bietet seit Frühjahr 2002 der Begegnung zwischen
Kunst und Psychoanalyse eine neue Interventionsfläche. Den Anfang machte
mit Joseph Kosuth einer der Pioniere der Konzeptkunst.
In Kooperation mit dem Verein der Freunde der bildenden Künste präsentiert
das Sigmund Freud-Museum die Installation "Ansicht der Erinnerung"
des amerikanischen Künstlers an der Fassade jenes Geschäftes,
in dem der 1938 vertriebene Siegmund Kornmehl eine koschere Fleischerei
geführt hatte.
In seiner Installation gibt der Künstler den Blick frei auf einen bestimmten
Moment in der Geschichte des Hauses Berggasse 19. Er transferiert die historische
Ansicht der Fleischerei von Siegmund Kornmehl auf die verwaiste Geschäftsfassade
und verbindet den "Blick in die Vergangenheit" mit einem Text
aus der Psychopathologie des Alltagslebens
von Sigmund Freud: "Daß man bei der Entstehung der Traditionen
und der Sagengeschichte eines Volkes einem solchen Motiv, das dem Nationalgefühl
Peinliche aus der Erinnerung auszumerzen, Rechnung tragen muß, wird
allgemein zugestanden. Vielleicht würde sich bei genauerer Verfolgung
eine vollständige Analogie herausstellen zwischen der Art, wie Völkertraditionen
und wie die Kindheitserinnerungen des einzelnen Individuums gebildet werden."
Sigmund Freud, Gesammelte Werke, Bd. IV, S. 164
Die der Installation zugrundeliegende historische Photographie von Edmund
Engelman entstand im Mai 1938, knapp einen Monat vor Sigmund Freuds Emigration
nach England.
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