Sonstige Veranstaltungen und Kooperationen
 




Monument und Überrest
Das widerspenstige Gedächtnis der Orte

Österreichische Akademie der Wissenschaften Wien, Theatersaal
13. Juni 2003

Eine Tagung der Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und des Sigmund Freud-Museums Wien, begleitend zur Ausstellung Freuds verschwundene Nachbarn.

Konzeption: Lydia Marinelli (Sigmund-Freud-Museum Wien) und Heidemarie Uhl (Österreichische Akademie der Wissenschaften)

Seit den 80er Jahren finden die materiellen Stellungnahmen einer neuen Erinnerungskultur Eingang in die urbanen Topografien Europas, werden die Orte des NS-Terrors neu entdeckt und als Gedenkstätten gestaltet. Denkmäler, Gedenkstätten, Museen, Straßennamen etc. als Repräsentationsformen des kulturellen Gedächtnisses dokumentieren ein neues Interesse an bzw. eine neue Haltung zur Vergangenheit. Zugleich markieren diese Gedächtnisorte eine Gegenposition zur "Verdrängungsgeschichte" der Nachkriegsjahrzehnte und zu deren Sedimentierungen im öffentlichen Raum.

Diese Intention, Geschichte durch Zeichen der Erinnerung (neu)festzuschreiben, sieht sich mit der Fragmentiertheit, der Flüchtigkeit und der Veränderung von Wahrnehmungsformen konfrontiert. Die "authentischen" sites of memory, Überreste historischer Ereignisse, aber auch die intentionalen Erinnerungszeichen (Monumente) sind nur scheinbar durch ihre Einbettung in eine eindeutige Geschichtserzählung bestimmt: In den materiellen Gedächtnisorten sind komplexe Deutungen eingeschrieben, überlagern sich verschiedene sichtbare und verborgene Narrative, verändern sich die "sozialen Energien", die den Intentionen der ErrichterInnen zugrunde liegen. Gerade ihr materieller Zeichencharakter macht Gedächtnisorte widerspenstig und unabgeschlossen, offen für neue Deutungen. Welche Lesarten des öffentlichen Raums eröffnen (oder verschließen) die Zeichensysteme und Wahrnehmungsformen der Spätmoderne? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Praktiken der Vergegenwärtigung von Vergangenheit, des Einschreibens von Bedeutungen in den öffentlichen Raum, gerade auch in den kulturellen Ausdrucksformen der neuen Erinnerungskultur?

Programm

10.00 Uhr Begrüßung durch Moritz Csáky (Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte, Österreichische Akademie der Wissenschaften) und Dieter Bogner (Präsident der Sigmund Freud-Gesellschaft)

10.15 Uhr Heinz D. Kittsteiner (Frankfurt a.d. Oder): Der Zugriff auf die Überreste
11.00 Uhr Jan-Holger Kirsch (Berlin): Monumente als Überreste - Überreste als Monumente. Das vierfache Sachsenhausen
11.45 Uhr Heidemarie Uhl (Wien): Gedächtnisort Wien. Transformationen der österreichischen Erinnerungskultur
Moderation: Lydia Marinelli

12.30 Uhr Pause

14.30 Uhr Brigitte Kepplinger/Hartmut Reese (Linz): Zur Problematik des authentischen Ortes - die Neugestaltung der Gedenkstätte für die Opfer der NS-Euthanasie in Hartheim
15.15 Uhr Bertrand Perz (Wien): Transformationen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
Moderation: Monika Sommer

16.00 Uhr Pause

16.30 Uhr Joachim Schlör (Berlin): Flüchtige Erinnerung - Schriftspuren in der Stadt 17.15 Uhr Lydia Marinelli (Wien): Freudsche Überreste - Überreste bei Freud
Moderation: Heidemarie Uhl