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Carl Aigner: Archäologie der Blicke
Sigmund Freud - ein Bildwissenschafter?
Sigmund Freud Museum, 29. September 2005
Ganz zu schweigen von den expliziten Abhandlungen über Kunst und Künstler sind viele Schriften von Freud in faszinierender Weise von Analogien und Metaphern des Visuellen und Bildlichen geprägt. Ob „Photographie“ oder „Wunderblock“, immer wieder wird von ihm in sehr präziser und komparatistischer Verfahrensweise auf verschiedenste Bildmedien Bezug genommen. Darüber hinaus jedoch wird den theoretischen und methodischen Überlegungen nachgespürt, wie sie vor allem in der Traumdeutung entwickelt worden sind: „Verdichtung“ und „Verschiebung“, zwei Schlüsselbegriffe seiner Analysekonzeption, stehen dabei im Fokus einer „Imagologie“ der Bilder, die ein nachdrückliches Augenmerk auf die Verschränkung von Vor- und Darstellungsbilder legt. Freud skizziert in seinen Darlegungen eine mögliche Archäologie der Blicke, die bildwissenschaftlich mit dem Begriff der „Schichtung“ arbeitet und sowohl eine Synchronie als auch eine Diachronie der Bilder eröffnet.
Die Überlegungen von Freud vollziehen sich dabei in einer Epoche, die auch als Virulenz der Bilder umschrieben werden kann. Etwa die Röntgenphotographie oder der damals entstehende Film schufen neue, bis dato unbekannte Bildformen, die, parallel zum sich erweiternden Kunstbegriff auch einen erweiterten Bildbegriff konstituierten beziehungsweise erforderten. In punktuellen Bezugnahmen auf diesen bildgeschichtlichen Kontext erweisen sich viele seiner Äußerungen als bildwissenschaftlich aufschlussreich und überlegenswert.
Carl Aigner, Mag. phil., geboren 1954 in Ried im Innkreis/OÖ. Studium der Geschichte, Germanistik, Kunstgeschichte und Publizistik in Salzburg. Seit 1989 Lehrtätigkeit an verschiedenen österreichischen Universitäten und an der Universität für Angewandte Kunst Wien; 1991 gründete Aigner die internationale Photo-, Kunst- und Medienzeitschrift EIKON; 1997-2003 Direktor Kunsthalle Krems. 2000/2001 Projektleitung der Abteilung Kulturwissenschaften an der Donauuniversität Krems. Seit 2001 Direktor des Niederösterreichischen Landesmuseums in St. Pölten. 2004 Verleihung des "Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst" durch die Republik Österreich. Seit 2005 Präsident von ICOM Österreich (International Council of Museums). Zahlreiche Herausgeberschaften und Publikationen zur Bildenden Kunst, Photographie und Medienkunst; lebt in Krems und Wien.
Eine Veranstaltung der des Vereins der Freunde des Sigmund Freud Museums, Wien
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