Wissen im Druck. Die Layout-Strategien des „Internationalen Psychoanalytischen Verlags“

Aufbauend auf die Erstellung der Objektdatenbank zu den Beständen der Sigmund Freud Privatstiftung 2008 wird in diesem ergänzenden Projekt das Hauptaugenmerk auf die Bestände des Internationalen Psychoanalytischen Verlags gelegt. Das Projekt erforscht aus einer buch- und medienhistorischen ausgerichteten Perspektive die Strategien der Szientifizierung und deren Modifikationen ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Fragestellung ob und inwiefern druckgrafische Merkmale, die sich vor allem um 1900 entwickelt haben als Bedingungen wissenschaftlicher Produktivität verstanden werden müssen, wird in einer Fallstudie nachgegangen. Sie beschäftigt sich mit den Layout-Strategien des Wiener „Internationalen Psychoanalytischen Verlags“ (IPV). Auf der Grundlage der Arbeiten von Murray Hall und Lydia Marinelli soll dieses Unternehmen als Medienverbund erforscht werden, der nicht nur für die Geschichte der Psychoanalyse und damit für Wien von zentraler Bedeutung gewesen ist, sondern auch in exemplarischer Weise eine Verschiebung in der Genesis und Geltung wissenschaftlicher Diskurse in der Moderne anzeigt.

Grundlage für das Projekt sind die originalen Produkte des IPV, die heute in unterschiedlichen Archiven und Sammlungen aufbewahrt werden. Die im Sigmund Freud Museum aufbewahrte Sammlung stellt weltweit gesehen einen einmaligen Bestand dar, dessen Auswertung für eine erfolgreiche Bearbeitung der aufgeführten Fragestellung unerlässlich ist. Dazu sollen zunächst die relevanten Archivalien gesichtet, sortiert und, soweit nicht erfasst, katalogisiert werden, Ergänzend werden die Nachlässe von Richard Sterba, die Materialen zu Adolf Josef Storfer und weitere Freud-Materialien in die Forschungsthematik integriert. Anschließend werden die Ergebnisse in Form einer wissenschaftlichen Publikation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ziel des Projektes ist es, eine Gesamtschau aller Archive mit IPV-Beständen herzustellen. Die Bestände des Sigmund Freud Museums sind neben weiteren Beständen psychoanalytischer Institutionen in Wien dafür von zentraler Bedeutung. (Konzept: Christoph Windgätter)


Overconfidence bei Marktteilnehmern - eine psychologische Studie über Anlegerverhalten

Dr. Thomas Oberlechner, Psychology Department Head der Webster University, Vienna, untersucht unter Mitarbeit von Carol Osloer von der Brandeis University (Waltham, Massachusetts) das Phänomen der Overconfidence in einer empirischen Studie unter US-amerikanischen Wertpapierbrokern.

Overconfidence (übergroßes Selbstvertrauen) wird am Finanzmarkt mit einer Reihe von Phänomenen in Verbindung gebracht: Blasenbildungen in der Entwicklung von Marktverläufen sind ebenso ein Beispiel wie die Beobachtung, dass Privatinvestoren in der Regel zu aktiv handeln und es allzu große Volatilitäten in Aktienpreisen gibt. Aus der psychologischen Forschung gibt es Hinweise darauf, dass menschliche Overconfidence besonders stark in jenen Situationen ist, in denen es schwer fällt, genaue Urteile zu fällen. Gerade dieses Merkmal kennzeichnet aber die Entscheidungen in Finanzmärkten, wo Vorhersagen in der Regel nur mit Wahrscheinlichkeiten getroffen werden können, die nahe am Zufall liegen. Die von PMA-Hottinger in Auftrag gegebene Studie wird derartiges Verhalten mit empirischen Daten belegen und soll die Möglichkeit schaffen, Overconfidence in die Marktbeobachtung einfließen zu lassen.

Die Sigmund Freud Privatstiftung empfahl Dr. Oberlechner als Projektleiter und war an der Entwicklung des Forschungsauftrags beteiligt. Sie fungiert im laufenden Arbeitsprozess als Organisationsplattform und Schnittstelle zwischen PMA Hottinger und den Wissenschaftlern.

Die Sigmund Freud Privatstiftung organisierte die Auftaktveranstaltung der Zusammenarbeit am 29.11.2007 im Sigmund Freud Museum und bereitet die abschließende Präsentation vor, zu der Diskutanten aus dem In- und Ausland eingeladen werden. Die Herstellung einer gedruckten Projektdokumentation für die Kunden von PMA Hottinger wird ebenfalls durch die Sigmund Freud Privatstiftung abgewickelt.

Web-Interface Klassifikation

Gemeinsam mit der Österreichischen Bibliothekenverbund und Service GmbH entwickelte die Bibliothek der Sigmund Freud Privatstiftung ein Web-Interface zur Anzeige der Klassifikation mit dem Ziel, die Benutzerfreundlichkeit bei Recherchen im Web-OPAC zu erhöhen. Diese Änderung ermöglicht eine thematische Recherche nach Sachgebieten im lokalen Onlinekatalog. Die Bezeichnung der Klassifikation wurde an die Aufstellungssystematik in der Bibliothek angepasst.
Es werden dabei sowohl die Hauptklassen der Systematik, als auch alle Unterklassen abgebildet, was Katalogbenützern und -benützerinnen ein bequemes Browsen im Bestand des Kataloges ermöglicht. Alle Treffer einer Klasse werden bei Klick auf die Klassifikation angezeigt und können somit einfacher aufgerufen werden.

Eine neue Verknüpfung erläutert die bisher nur numerologisch angeführten Notationen der Treffer zu Gruppe und Klassenzugehörigkeit, dazu mussten die Notationen in 1718 lokalen Datensätzen – so genannten Holdingsätzen – überarbeitet werden, auch die hauseigene Aufstellungssystematik mit ihren mehr als 200 Klassen wurde optimiert und vereinheitlicht.
Mithilfe eines neu eingeführten Programms ist eine automatische Anzeige der Klasse in den lokalen Holdingsätzen möglich. Dabei wird eine Aleph Fix-Doc-Routine eingesetzt, die beim Abspeichern des Holding-Satzes zu jeder Notation aus einer hinterlegten Tabelle den Klassennamen hinzufügt.
Auch die jeweiligen Notationen in den lokalen Titeldatensätzen des Online-Kataloges werden sowohl als Ziffern als auch verbal angezeigt.

Digitale Exponatenverwaltung

Die Bestände der Sigmund Freud Privatstiftung setzen sich aus sehr heterogenen Kategorien zusammen. Sie bestehen aus Druckwerken, Manuskripten, Memorabilien, Kunstwerken, Antiquitäten und visuellen Dokumenten. Während es in den letzten Jahren gelungen ist, die Schriftwerke digital zu erfassen und in einem Online-Katalog verfügbar zu halten, wird dies nun auch für mit den nicht beschriebenen Exponaten in der Schausammlung bzw. im Depot der SFP durchgeführt. Durch eine Förderung der Abteilung Wissenschaft und Forschung der MA 7 (Stadt Wien) wird auf die bestehende Datenbank zur Geschichte der Psychoanalyse aufbauend (PADD) ein Internet-Modul gesetzt, das die gesamte Sammlung in Form einer Objektdatenbank verfügbar hält. Als erster Schritt wurde eine Erfassungsmaske entwickelt, die alle nötigen Metadaten eines Objekts erschließt und den Leihverkehr künftig effizient gestalten lässt. In einem zweiten Schritt werden die Museumsobjekte nach museologischen Standards erfasst und Provenienzfragen durch interne und externe Recherchen abgeklärt, um die Herkunft zahlreicher Exponate festzustellen

PADD (Psychoanalytic Document Database)

Das im Oktober 2004 gestartete EU-Projekt PADD wurde im September 2005 abgeschlossen. Nach dieser ersten Projektphase, die von der EU zur Hälfte finanziert wurde, wird PADD von der Sigmund Freud Privatstiftung weiterbetrieben, gepflegt und ausgebaut.

Der Inhalt des EU-Projektes PADD ist der Aufbau einer europaweiten webbasierten Katalog- und Wissensdatenbank, die Primärquellen zur Geschichte der Psychoanalyse, wie Briefe, Werkmanuskripte, Photographien und sonstige Dokumente von Sigmund Freud und anderen Psychoanalytikern in einer wissenschaftlichen Kriterien genügenden und gleichzeitig benutzerfreundlichen Form auf einer Website präsentiert. Weiters sind auf dieser Website in einer Wissensdatenbank Informationen zu Leben und Werk von Psychoanalytikern und Psychoanalytikerinnen sowie ausführliche Bibliographien der jeweiligen Primär- und Sekundärliteratur zu finden.